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entsprach„Don Carlos“ mit seinen Plänen von Völkerbeglückung und Gedankenfreiheit, mit seiner weltbürgerlichen Begeisterung und antihierarchischen Tendenz.
Noch zwei Autoren folgten den Spuren Grubers und Schwaldoplers, anscheinend mit buchhändlerischem Erfolge. Drei Auflagen ³⁸) erlebte eines Anonymus„Friedrich von Schillers Leben und Beurteilung seiner vorzüglichsten Schriften. Den Verehrern seiner Muse geweiht“; zweier rühmt sich— wenn die zweite nicht bloss Titelauflage ist— die„Biographie Schillers und Anleitung zur Kritik seiner Werke“ von J. K. S. ³⁹), die umfangreichste all dieser Schriften. Man greift begierig nach ihr, denn kein schlechter Mann steckt hinter der Ab- breviatur: Josef Schreyvogel, später der artistische Direktor des Wiener Hofburgtheaters, der Berater von Grillparzers Poetenjugend, ist der Verfasser. Aber das Buch bedeutet eine arge Enttäuschung, es ist nichts mehr und nichts minder als ein Flecken auf Schreyvogels Gedächtnis. Der zweite Teil, die Anleitung zur Kritik ist eine Sammlung von Einzel- rezensionen, in denen die Teile, die nicht aus Schwaldopler abgeschrieben sind, ganz das Gepräge haben, als ob sie anderswoher entwendet worden seien. Fast noch ärger steht es mit der Biographie: in der Vorrede verwahrt der Verfasser sich dagegen, aus nahen und be- kannten Quellen geschöpft zu haben, etwaige Uebereinstimmungen sollen sich dadurch er- klären, dass er„zu den minder bekannten Urquellen hinaufgestiegen“ sei, und„das Näm- liche für seinen Gebrauch abgeleitet habe, was früher auch schon Anderen brauchbar geschienen hatte.“ In Wirklichkeit liegt ein ganz wörtliches Plagiat der allertrübsten Quellen vor, der beiden Oemlerschen Machwerke, neben denen auch Gruber ausgeschlachtet ist. So wenig hatten also die Kennzeichnungen Oemlers genutzt! Derartiges Zeug hielt ein literarisch hoch- gebildeter Mann überhaupt des Abschreibens für würdig! Auch das Reutlinger Büchlein ist zum grossen Teil Plagiat, aber wenigstens aus besserer Quelle: hier hat der oben besprochene Aufsatz der Hallischen„Allgemeinen Literatur-Zeitung“ herhalten müssen.
Der Platz, den Schiller im Herzen seines Volkes schon einnahm, muss gross gewesen sein, da solche Spekulationen auf seinen Namen möglich waren; zum Glück war aber sein Nachleben nicht von Oemler und Konsorten abhängig. Dass Schiller in dem Jahrzehnt nach seinem Tode eine breite und tiefe Wirkung ausübte, ist vor allem seiner poetischen Kraft, daneben aber auch zwei anderen Umständen zu verdanken: der Pflege seines Andenkens durch die Kunst und vor allem den Zeitverhältnissen.
Mit der Kunst ist natürlich in erster Linie die Kunst des Theaters gemeint, aber man soll doch auch nicht vergessen, auf den Anteil der anderen Künste an der Schillerver- ehrung hinzuweisen. Da muss, wenn sie auch schon vorher entstanden, an Danneckers Büste erinnert werden: diesen Kopf, der uns wie kein anderer den Willensmenschen Schiller vor- führt.„Wer Schiller lebig machen will, muss ihn kolossalisch lebig machen“, so etwa sagte der Künstler, als er den Meissel ansetzte, und wie es auch mit der allgemeinen Wahrheit des „Kolossalisch“ bestellt sein möge, er erreichte sein Ziel: wie verschwinden doch all die andern zeitgenössischen Porträts, auch das nach Schillers Tode gemalte Kügelgens, vor dicsen adligen Formen mit ihrer herben Männlichkeit! Die anderen mögen vielleicht die Züge des Menschen Schiller getreuer, wenn auch mit der üblichen, alle Falten ausglättenden, schön- färbenden Idealisierung wiedergeben, Dannecker schenkte uns das Bild des Geisteshelden,


