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werk. Im ersten Buche hatte er über die Jugend des Dichters einige Allgemeinheiten zum besten gegeben, die schliesslich auf jeden passen konnten, jetzt waren ihm mit dem Erfolge Mut und Kraft gewachsen. Er schickte eine Vorrede im Tone des würdigen Biedermanns voraus: nur die Wahrheit rede er, und das sei auch anerkannt, habe doch die Leipziger Elegante Zeitung seine erste Schrift eines gedrängten Auszuges gewürdigt und das widerlege schon genügend einige„literarische Vogelscheuchen, Sudler, Brieffabrikanten“, die seine Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen gewagt hätten. So schrie er„Haltet den Dieb“ und war doch selbst der Sünde bloss: seine dürftigen, grösstenteils falschen Notizen putzte er nämlich mit allerhand Dokumenten aus, die eigene Fabrikate waren.
Die ganze Sache entbehrt nicht des Humors: dass Oemler eine sehr trübe Quelle war, wurde bald erkannt, das hinderte aber nicht, dass er lange benutzt wurde. Jahrzehnte hin- qurch findet man in allen möglichen Schillerpublikationen Verse, die des Dichters Mutter zum Neujahrstage 1757 an den Vater gerichtet haben sollte: sie sind Oemlers Werk. Noch mehr Unheil richteten die Briefe an, die Oemler als aus der Militärakademie an„Karl“ Moser gerichtet mitteilt. Hoffmeister und Schwab verwerteten sie arglos: auch sie sind Fälschungen, wie Boas in„Schillers Jugendjahre“(1850) nachwies; aber noch zwanzig Jahre später, als die Allgemeine Verlagsanstalt in Berlin die erste Gesamtausgabe von Schillers Briefen veröffentlichte, prangten darin diese Schöpfungen des Oemlerschen Geistes. ²⁹) Grosse Pläne schlummerten noch in ihm ³⁰)— ich erwähne sie, weil sie zeigen, wie sehr schon damals die Popularität des grossen Dichters Spekulationsobjekt war— er wollte eine Zeitschrift„Archiv für Friedrich Schillers Verehrung“ herausgeben, deren erster Band„un- fehlbar“ noch vor der Leipziger Michaelismesse erscheinen sollte, auf vier Bände glaubte er dem Publikum gewisse Hoffnung machen zu können. Auch aus dem Inhalt verriet er einiges; an Materialien lagen unter anderm schon bereit: 1) Authentische Geschichte der Xenien mit Anmerkungen über gewisse Accoucheurs, die sie zur Welt verhalfen, von Dr.... s; 10) Schillers erste Liebe, mit Briefen und Charaktergemälden von Herrn Referendarius... 8 in... t; 11) Schillers Tagebuch aus der Militärakademie(soll nach der Handschrift ge- stochen werden) usw.
Es ist schade, dass es zur Veröffentlichung dieser kostbaren Schätze nicht kam, aber Oemlers Beispiel machte Schule. Des Vorgängers würdig war der Verfasser der„Schilleriana. Leben, Charakterzüge, Begebenheiten und Schriften Friedrichs von Schiller“ ³¹), eines Sammelsuriums von flüchtigen und dazu gänzlich wertlosen Andeutungen über Schillers Lebensgang, von Auszügen aus seinen Werken(besonders den„Räubern“ und den Jugend- gedichten) und endlich von Anekdoten, die mit Schiller sehr wenig zu tun haben, dafür aber zum Teil etwas zweifelhafter Natur sind. Entschieden besser sind„Friedrich Schiller. Skizze einer Biographie und ein Wort über seinen und seiner Schriften Charakter“³²), deren (anonymer) Verfasser J. G. Gruber sich später als Wittenberger Professor und Fortsetzer der von Ersch begründeten grossen Encyklopädie Ruf erwerben sollte, und des sterreichers Sechwaldopler„Uber Friedrich von Schiller und seine poetischen Werke“³³). Beide Büch- lein sind dadurch in Misskredit gekommen, dass ihre Verfasser auch eine kurzgefasste Bio- graphie geben wollten, zu der es ihnen doch an den nötigen Kenntnissen gänzlich mangelte.


