Aufsatz 
Schiller und das erste Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts
Entstehung
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Handeln, sondern sie bestätigen und bestärken ihn nur in dem, was er auch ohne sie begonnen oder unterlassen hätte; er geht durch seine Stärke, nicht durch seine Schwäche unter wäre er IIlo, hätte er sich salviert! Sein Schicksal ist er selbst und die ihn um- gebenden realen Mächte. Bouterweks falsché Auffassung hängt zusammen mit der Schwäche seines ganzen Standpunktes: der spekulative Philosoph weiss von vornherein zu genau, was tragisch ist, und so fehlt ihm die Schmiegsamkeit gegenüber dem Neuen. Er weiss auch ganz genau, was poetische Originalität ist: sie kann nur da stattfinden, wo die Begeisterung des Dichters von Eindrücken(wie bei Shakspere und Goethe), nicht von Reffexionen(wie bei Schiller) ausgeht. Daher wird dem letzteren auch nur persönliche Charakteroriginalität zugesprochen; seine Originalität beweise sich nirgends durch einen ganz ihr eigenen Zug, der auch da noch übrig bliebe, wo die individuelle Sinnesart des Dichters in der Dichtung verschwinde.In allen älteren Werken Schillers spricht Shakspere mit; später bildete er sich nach Goethe und den Griechen einen neuen Stil, es gelang ihm eine neue Verschmelzung des Romantischen mit dem Antiken... Aber von der gediegenen und rein ästhetischen Neuheit zeigen seine Werke nirgends merkliche Spuren. Heisst das aber nicht den Wald vor Bäumen nicht sehen? Diese Verschmelzung des Romantischen mit dem Antiken, ist sie nicht die hohe deutsche Tragöõdie, die da Schillers Haupte entsprang? Wir wissen heute, dass es in England und Spanien auch nicht viel anders war: auch da handelte es sich eben um eine Verschmelzung zweier Welten, und wenn Schiller dasselbe gelang, ist das nicht genug poetische Originalität? Uns klingt es doch gar kahl und dürftig, wenn der Pro- fessor der Asthetik, der übrigens auch in den philosophischen Abhandlungen nicht viel mehr als Sophistereien sieht, sein Urteil also zusammenfasst:Schiller hat in der Kunst, zu rühren und zu erschüttern und die Leidenschaften in ihrer ganzen Stärke darzustellen, alle übrigen grossen Trauerspieldichter erreicht oder übertroffen, er hat die Leidenschaften vollendet dargestellt, vor allem hat er das Unpoetische aus dem deutschen Trauerspiele verdrängt. Ach nein; nochmals: er hat uns die hohe Tragödie erst geschaffen.

So mischt sich denn Treffendes und Schiefes auch in den besten dieser Aufsätze, aber das Gesagte wird genügen, um zu zeigen, dass sie ihres Themas nicht unwürdig sind. Aber das Gesamtbild des Dichters, wie es die Zeit brauchte und auch wünschte, konnten sie nicht geben, vor allem auch, weil sie das Biographische so gut wie ganz vernach- lässigten. Gerade dies war aber der Gegenstand einer durchaus berechtigten Wissbegier, umsomehr, da allerhand Gerüchte über die romantische Jugend des Dichters kursieren mochten. Wie wenig man wusste, kann der Artikel derAllgemeinen Literaturzeitung zeigen, in dem z. B. behauptet wird, die Bekanntwerdung derRäuber habe für Schiller die Folge gehabt, dass er aus der Militärakademie gestossen wurde. Solche Irrtümer brachte ein Blatt, dessen Herausgeber Schiller jahrelang als Mitarbeiter und Stadtgenosse, denn es erschien bis 1804 in Jena, nahegestanden hatte; sie machen die Lücke deutlich fühlbar, die alle bis jetzt erwähnten Veröffentlichungen liessen. In sie schob sich die trübseligste lite- rarische Spekulation ein.

Ihr Hauptvertreter war ein gewisser Oemler ²⁴), der noch im Jahre 1805 in Stendal

anonym ein Büchlein veröffentlichte, das erSchiller oder Szenen und Charakterzüge aus 2