von Dichtungen ¹⁴), der ersten Versehochflut, die Schillers Gedächtnis hervorrief. Es sind zum guten Teil„Totenfeiern“, bestimmt im Theater- oder Konzertsaal am Gedächtnistag des Dichters aufgeführt oder vorgetragen zu werden, denn von einfachen lyrischen Strophen bis zu förmlichen kleinen Dramen sind mannigfache Formen vertreten. Da erscheinen dem Knaben Schiller, der während eines Gewitters sich in eine Höhle geflüchtet hat und dort eingeschlafen ist, die Visionen seiner künftigen Helden; da klagt die Muse des Dramas um ihren dahingeschiedenen Liebling, sie setzt dem fragenden Thespis seine Verdienste ausein- ander und erläutert ihre Worte praktisch durch eingeschobene Stellen aus„Wallenstein“. Als besonders geschmackvoll wurde des Grafen Benzel-Sternau Totenfeier gerühmt, die nur Stellen aus Schillers eigenen Dichtungen verwendete. Einfacher sind die Prologe und Epiloge, die irgendwelche Veranstaltung begleiten konnten; endlich entstanden auch ohne direkten Zusammenhang mit solchen Feiern eine ganze Reihe von lyrischen Ergüssen. Friedrich Kind lässt des Dichters Frauengestalten an sein Grab treten, bekannte Aussprüche von ihnen werden auf die Situation angewandt, als Gegenstück ruft Körner die Helden der Dramen zur Ruhestätte seines Freundes, Seume schildert in feierlicher„Nekropompe“ den Eindruck der Todesnachricht. Neben diesen bekannten Namen steht die Schar der Ver- gessenen oder Unbekannten;„Blumen auf Schillers Grab“,„Der erste Morgen an Schillers Grabe“,„Der Tod Schillers. Eine Vision“,„Friedrich Schillers Parentation. Der sechsten Stunde des neunten Mai 1805, der Sterbestunde.. geweiht“, das sind Titel, die eine Idee von dem Stoff- und Ideenkreise geben können, in dem sich diese Dichtungen bewegten.
Man wird lieber auf ihre mannigfache Herkunft hinweisen, als dass man bei ihrem In- halte verweilt. Die verschiedensten Gegenden Deutschlands: Norden, Mitte und Süden, Westen und Osten sind vertreten, die Frauen haben an den Huldigungen ihren beträcht- lichen Anteil, von den literarischen Richtungen der Zeit fehlt auch dic Romantik nicht, Bernhardi und Fouqué waren die Verfasser der Berliner„Totenfeier“. So wird man denn über der Fülle des Gebotenen die Dürftigkeit des Einzelnen vergessen können: eine gewisse Einförmigkeit war ja schliesslich durch die Veranlassung, die all diese wohlgemeinte Poesie ins Leben rief, gegeben. Schiller erscheint,— das sind etwa die durchgehenden Züge,— als der erhabene Dichter der Schönheit und der Tugend, an seiner Bahre weint ein ganzes Volk, denn„er war unser. Deutsch war er“, aber— und das ist der Trost— nur sein Sterbliches ist den Elementen wiedergegeben, er lebt jetzt in reineren Sphären, und hienieden wird sein Ruhm in seinen Werken ewig dauern. ¹⁵) Von diesen wird stets in erster Linie auf die Dramen hingewiesen, daneben werden noch das„Lied an die Freude“ und die„Glocke“, auch die„Würde der Frauen“ häufiger genannt; es bleibt gewöhnlich bei sehr allgemeinen Lobeserhebungen; mehr wird man auch nicht in den Dialog„Drama. Thespis“ hineinlegen wollen, in dem Schiller als der Vollender und Befreier des Dramas gepriesen wird. ¹⁰)
In den Kreis dieser Gedichte gehört nun auch, freilich als der Phönix unter den Krühen, der„Epilog zu Schillers Glocke“. Ursprünglich hatte Goethe eine grössere Toten- feier auf Weimars Bühne geplant, doch reichte dem vom Tode des Freundes tief ergriffenen Dichter die Kraft nicht zur Ausführung seines gedankenschweren Entwurfes; der Epilog, im Juli 1805 gedichtet, am zehnten August desselben Jahres bei der Schiller-Gedenkfeier in


