Aufsatz 
Schiller und das erste Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts
Entstehung
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Jungen wusste er keinen besseren Namen als Christoph Friedrich, und als in Leipzig die Jungfrau von Orléans zum erstenmal aufgeführt wurde, da liess er sich einen Gaul satteln und tat von seiner Pfarre nach dem zehn Stunden entfernten Leipzig einen gewaltigen Kourierritt, um seinem Heros siegen zu helfen ²⁹). Der Mann war wahrlich nicht in der Alltäglichkeit versauert, solche Apostel mochte sich Schiller in seiner Ansprache an die Studenten wünschen wie ihn oder auch wie den Bonner Professor Fischenich. Der war einst in Jena als Student Schillers Tischgenosse gewesen und sein und seiner Frau Freund geworden. Als ihm Frau Lolo dasLied von der Glocke zuschickte, da achtete der Lehrer der Rechte es nicht für Raub an den Pflichten seines Amtes, wenn er seine Vorträge für eine Stunde sistierte und statt ihrer seinen Zuhörern das deutsche Meistergedicht vorlas ³⁰⁶).

So wird man denn den Stand der Dinge um 1805 dahin zusammenfassen können, dass die Kritik Schiller zwar meist ohne rechtes Verständnis, aber auch ohne Ubelwollen gegenüberstand, dass der Dichter dafür aber unter den Gebildeten, vor allem unter der akademischen Jugend, ein grosses und begeistertes Publikum besass. Diese Schillergemeinde konnte je länger je weniger nicht ohne Einfluss auf die Kritik pleiben, die sich überdies ja schon selber zu Schiller immer freundlicher stellte; kein Zweifel: Schiller war auf dem Wege, die zeitgenössischen Dichter im Urteil der Mitlebenden alle in den Schatten zu stellen. Da riss ihn der Tod mitten aus seiner Laufbahn, aus grossen Entwürfen heraus, und nun macht die Entwicklung plötzlich einen Sprung vorwärts. Was sonst das Ergebnis mehrerer Jahre gewesen wäre, ergab sich nun aus dem erschütternden Eindruck der Trauerbotschaft. Mag der frühe Tod Schillers an manchen Schwankungen des späteren Urteils über ihn mitschuldig sein aus dem einfachen Grunde, dass er ihn an der Vollendung desDemetrius, an der Schaffung manch anderen Meisterwerkes verhinderte, damals in der Mitte des ersten Jahr- zehntes des vorigen Jahrhunderts brachte er ihn mit einem Schlage den Herzen der Deutschen näher als irgend einen andern Dichter jener oder früherer Zeit.

II.

Die Art von Schillers Bestattung ist einige Jahrzehnte später viel besprochen worden; sie hat, da man sich nur an die äusseren Umstände hielt, viel Entrüstung erregt, und man wird auch in der Tat zugeben müssen, besonders wenn man etwa an die Bestattung des etwa ein Jahr zuvor gestorbenen Klopstock denkt, dass der grosse Dramatiker in sehr ein- facher, stiller Weise zu Grabe getragen wurde. Die Totenfeier machte aber in jedem Falle gut, was bei der Beerdigung etwa versäumt worden war: erst als Bismarck starb, hat wieder eine so allgemeine und tiefe Bewegung die Nation durchaittert.

Es handelte sich wirklich nicht bloss um ein papiernes Rauschen im deutschen Blätterwalde. Im Hause eines sächsischen höheren Beamten lag Einquartierung, ein Offizier hatte unter seinem Spiegel das Bild Schillers hängen; er führte den zehnjährigen Haussohn vor das Bild und sagte ihm, dieser treffliche Mann, Deutschlands grösster Dichter, sei vor