Aufsatz 
Schiller und das erste Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts
Entstehung
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geschehen musste, konnte der Begeisterung nur dienlich sein: schon ehe Anschütz die Dramen eingeführt hatte, war es lange Ton gewesen, Schillers Gedichte, verstanden und nicht ver- standen, abzuschreiben und zu sprechen, jetzt erreichte die Begeisterung ihren Höhepunkt: alles andere wurde auf die Seite geschoben, es dauerte lange,bis etwas Gedichtetes und Geschriebenes galt und gelesen wurde, als was von Schiller ausgegangen war.²⁰⁸)

Was auf der Schule sich nicht recht hervorwagen durfte, tat es, manchmal geräusch- voller als nötig war, auf der Universität. Wenn in Lauchstädt Schillers oder Goethes Dramen aufgeführt wurden, dann erfolgte von den in der Nähe gelegenen Universitäten eine wahre Völkerwanderung zu Wagen und zu Ross, und der berühmte Philologe Böckh ²⁷), einst(1803) in fröhlicher Jugend Hallenser Student, versichert, dass nach seiner Erinnerung dabei Schiller den Kommilitonen der grössere Magnet war. War dann gar der Gefeierte ein- mal selbst zugegen, dann schäumte der Enthusiasmus tüchtig über. Ungemein charakteristisch ist da, was der Berliner Holzschneider und volkstümliche Schriftsteller Friedrich Wilhelm Gubitz als Erzählung eines ehemaligen Hallischen Studenten mitteilt und als Augenzeuge bestätigt ²28).Im grossen Zuge waren wir Hallenser Studenten nach Lauchstädt gekommen, um auf dem dortigen Theater in Gegenwart Schillers dessenBraut aufführen zu sehen.

.Abends waren wir frübzeitig im Theater und empfingen in schmetterndem Ruf bei Hand- und Fussgetöse den Dichter, der uns mit allen Gedanken und Gefühlenweg hatte, wie es in unserer damaligen Redeweise hiess. Es folgt die Schilderung jener Vorstellung, die durch ein ausbrechendes Gewitter fast unheimlich eindrucksvoll war. Nach der Vor- stellung:Zu uns Hallensern hatten sich auch Leipziger und Jenenser Studenten gesellt, und als der unvermeidliche Ball überstanden war, zogen wir zusammt vor die Fenster Schillers und brachten ihm ein Halloh mit Gesang und Musik. Soviel wir konnten, rückten wir ihm auch auf die Stube, wo sich der von uns tüchtig angelärmte grosse Dichter bur- schikos liebenswürdig benahm, wonach einer der unsrigen ihn keck einlud zu einem Mahle, das der reiche Vater eines Kommilitonen in seinem Gartensaal uns anrichtete. Schiller lehnte ab, und seine stürmischen Besucher entfernten sich zunächst, aber der einmal aufge- tauchte Wunsch, den grossen Dichter als ihren Gast unter sich zu sehen, liess ihnen keine Ruhe: eine Deputation macht sich auf, trifft den Dichter beim Zubettegehen, setzt aber schliesslich dennoch ihre Bitte durch.Mehr gezogen und getragen als gehend brachten wir ihn richtig in den Saal, wo uns ein überschwengliches Jauchzen empfing. Fast eine Stunde blieb Schiller bei uns, wahrhaftig ein Bursche unter Burschen. Er sprach uns auch an, dass wir diesen Enthusiasmus, als notwendig für die Bühne und die geistigen Bestre- bungen überbaupt, bewahren und möglichst mitteilen möchten, da die Volksmasse gar zu leicht von etwas festtäglichem Aufschwung sich so angegriffen fühle, dass sie rasch wieder einem alltäglichen Seelenschlummer verfalle.

Wo Schiller mit den Burschen ein Bursch war, steht es uns nicht an, die Art und Weise solcher Schillerhuldigung zu bemäkeln; mochte sich der Most recht absurd gebärden, der Wein wurde nicht schlecht, das sollten ja die folgenden Jahre der Not zeigen. Und wie der Enthusiasmus für Schiller gar manchem das Philisterium noch mit einem Abglanze der Jugend verschönte, dafür mag der thüringische Pastor Förster ein Beispiel sein: seinem