Aufsatz 
Der lateinische Unterricht in der Quarta im Zusammenhang mit den Perthes'schen Reformvorschlägen
Entstehung
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einer Zusammenstellung der aus der bisherigen Lektüre bekannt gewordenen wichtigsten Con- junktionen benutzt. Wir gewannen hierdurch z. B. für die Temporalsätze das cum historicum und cum temporale(bes. in der Bedeutung: so oft als, wenn), die Konstruktion nach postquam, ubi, dum; für die Kausalsätze quod und cum causale; ferner quamquam und cum concessivum; si, nisi; ut consecutivum(ut non, nemo etc.); ut finale(ne, ne quis ete.) Bei der im Anfange einer jeden Cäsarstunde stattfindenden lateinischen Wiedererzählung des in voriger Stunde Gelesenen mußzte nun besonders darauf geachtet werden, daß anstatt der bei Cäsar angewandten Partizipial- konstruktionen die entsprechenden Konjunktionen gesetzt wurden oder umgekehrt. Die stets im Anschluß an Cäsar gegebenen Extemporalien dienten demselben Zweck. Hierbei wurde der Grundsatz befolgt, durch abweichende deutsche Konstruktion den Schüler zum Nachdenken zu zwingen; es wird demselben nicht zu viel zugemutet, weun man ihm z. B. den Satz diktiert: »die Soldaten wurden trotz ihrer Tapferkeit geschlagen«, wobei verlangt wird,»trotz« durch einen entsprechenden Nebensatz wiederzugeben. Allmählich wurde nun der Versuch gemacht (in ausgedehnter Weise jedoch erst am Schluß des zweiten Semesters), größere Sätze aus Cäsar in deutscher UÜbersetzung durch mehrere koordinierte Sätze wiederzugeben, wobei das logische Verhältnis derselben durch die entsprechenden Konjunktionen, wie»zwar jedoch, hierauf, deshalb« u. s. w. auszudrücken war. Ist so das Verständnis für den zusammengesetzten Sat⸗z hinlänglich angebahnt, so kann im zweiten Semester als Pensum der deutschen Grammatik eine systematische Behandlung desselben(nach dem grammatischen Anhang des Lesebuches von Hopf und Paulsiek) folgen, wobei die schon geläufig gewordenen grammatischen Begriffe übersichtlich zusammengestellt werden. Die der Tertia zufallende ausführliche Behandlung der lateinischen Moduslehre wird so den Boden ziemlich gelockert finden.

Mit dem zweiten Semester der Quarta tritt die Kasus-Lehre in den Vordergrund; hierbei kann man mit dem Ostermann'schen Übungsbuche noch viel weniger auskommen. Abge- sehen davon, daß die für die Einübung der einzelnen Regeln bestimmten kleinen Übungssätze durchaus nicht geeignet sind, das Pensum des vorhergehenden Semesters immer mehr zu befestigen, erscheint auch die Auswahl, Reihenfolge und Fassung der Regeln zum NTeil als eine rein äußerliche, durch keine sachlichen Erwägungen veranlaßte. Das Ostermann'sche Übungsbuch schreibt etwa folgende Methode vor: Zunächst soll die betreffende Regel vorgelesen und hierauf durch die Ubersetzung einiger beigedruckter lateinischer Beispiele erläutert werden. Sodann wird die Regel durch eine Unmasse von Beispielen eingeübt, die ausschließlich für die betreffende Regel zuge- schnitten sind und weder durch Heranziehung ähnlicher Erscheinungen, noch durch Mannig- faltigkeit des deutschen Ausdrucks den Schüler zum Nachdenken zwingen.¹) Durch diese Methode wird die Regel dem Schüler fertig gereicht, und die Übersetzungsübungen werden bei der Khnlichkeit der Beispiele nach einer bestimmten Schablone durchgemachrt. Allerdings ist diese Methode für den Lehrer sehr bequem; auch mag sie vielleicht von Nutzen sein, wenn es gilt, eine Sprache möglichst schnell praktisch zu erlernen²); jedoch verfehlt sie den Zweck

¹) Wie verträgt sich der Seite 10 Anmerk. 2 hervorgehobene Übelstand damit, daß der Schüler bei der Cäsar-Übersetzung 2. B. gezwungen wird, im Deutschen nach»versprechen, hoffen, befehlen« im allgemeinen den bloßen Infinitiv zu setzen?

²) Direktor Dr. Klotzsch:»Methode des fremdsprachlichen Unterrichts. Progr. der städtischen Real- schule I. Ordnung zu Borna 1883 teilt übrigens mit, daß er schon seit einigen Jahren mit bestem Erfolge den französischen Unterricht nach einem von ihm selbst bearbeiteten französischen Lesebuche erteile, welches sich