Hierbei ist die Benutzung der Perthes'schen Cäsar-Wortkunde sehr förderlich. Wenn Wendt(a. a. O. S. 22) und Blaurock(a. a. O. S. 16) es empfehlen, daß die Sechüler angeleitet werden, ein(alphabetisch eingeteiltes) Heft anzulegen, in welches aus der Phraseologie und Stilistik die in der Lektüre vorgekommenen Beispiele nach umsichtiger Auswahl eingetragen werden, so wird damit die Berechtigung der Perthes'schen Wortkunde anerkannt. Und weun Dr. Blaurock weiter ausführt, es komme viel darauf an,»daß für diese formelhaften Wendungen kurze und treffende Übersetzungen gefunden werden, welche zugleich mit dem lateinischen Wortlaut auswendig gelernt werden müssen und sich um so leichter und sicherer einprägen, je glücklicher sie den Sinn treffen⸗, so sucht auch diesen Anforderungen die Cäsar-Wortkunde gerecht zu werden. Von großem Nutzen ist hierbei das von Perthes beobachtete Verfahren, aus den vorhergehenden Abschunitten der Lektüre stets Analoges hinzuzufügen(»die gruppierende Repetitionsmethode«), wodurch das Verständnis für die betreffende Regel angebahnt wird. Von geringerem Wert sind allerdings einige zu freie Übersetzungen, die man durch wörtliche ersetzen könnte, ohne dem deutschen Sprachgebrauch Gewalt anzuthun. Solche zum wörtlichen Aus- wendiglernen ungeeigneten Ausdrücke sind jedoch nicht zahlreich, und ich kann daher der von Perthes selbst gemachten Einschränkung, daß von den in der Wortkunde gebotenen Ausdrücken „nur wenige nach Angabe des Lehrers in der Klasse mit Bleistift angestrichene auswendig zu lernen« ¹) seien, nicht zustimmen. Das Gedächtnis des Schülers wird nicht zu sehr damit belastet; freilich mußz man sorgfältig darauf achten, daß der Schüler auch stets eine wörtliche Übersetzung der gelernten Phrasen zu bieten vermag. Während der in der Klasse sich vollziehenden Präparation darf selbstverständlich die Wortkunde nicht benutzt werden; hier muß man zunächst alle von den Schülern selbst gefundenen Ausdrücke, falls sie nicht geradezu inkorrekt sind, gelten lassen; die Schüler werden dann nicht selten schließlich durch Vergleichung der von ihnen gefundenen Ausdrücke mit den in der Wortkunde gebotenen den größeren Wert der letzteren um so besser erkennen und sich dieselben um so lieber zu eigen machen. Überhaupt ist auf die Wahrung der selbstthätigen Geistesarbeit des Schülers um so mehr zu achten, je reichhaltiger und vortrefflicher die ihm gebotenen Hülfsmittel sind. Die vorhergehende gemeinsame Präparation und die Wortkunde sollen ihm nur die rein mechanische, an sich ziemlich wertlose Arbeit des Wörternachschlagens abnehmen und die Benutzung der Spezialwörterbücher und Eselsbrücken entbehrlich machen, ihm aber nicht eigenes Nachdenken ersparen. Die häusliche Arbeit des Schülers soll sich, wie Perthes in seinem Begleitwort(S. 12) hervorhebt,»auf die eindringende Wiederermittelung der Konstruktion und des Sinnes des lateinischen Textes und die Aneignung einer wörtlich genauen Übersetzung konzentrieren.« Bei der Repetition muß daher dem Über- setzer eine gewisse Freiheit gelassen werden; ein an sich richtiger Ausdruck darf nicht deshalb getadelt werden, weil es einen besseren giebt, oder weil der Lehrer beim Vorübersetzen einen anderen gebraucht hat; auch die Wahl der Konstruktion, die Art der Auflösung größerer Perioden bleibe dem Schüler überlassen, wenn nur kein eigentlicher Fehler gemacht wird. Vor allem unterbreche man ihn nur selten und lasse ihm Gelegenheit, zusammenhängend zu reden; etwaige Verbesserungen können nachher gegeben werden ²). Werden diese Grundsätze befolgt, so scheint mir nicht nur die Gefahr einer Unterdrückung der Selbstthätigkeit beseitigt, sondern gerade die richtige Anleitung zu einer selbständigen und zweckentsprechenden Präparation gegeben
¹)»Begleitwort zur Cäsar-Wortkunde für Quarta« von H. Perthes. Berlin 1880. Seite 12. ²) Vergl. Wendt a. a. O. S. 22.


