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nächst dem Inhalt des Gelesenen gilt, sich zugleich auf die sprachliche Form erstrecke. ¹) Mit Recht hebt Wendt(a. a. O. Seite 21) hervor, daß»dem jngendlichen Alter die sprachliche Erscheinung als solche niemals Hauptgegenstand des Interesses« sei, daß sie»ihm nur bedeutend werde als notwendiger Durchgangspunkt zu einem Inhalt, der ihm durchaus wissenswert er- scheinen solle«. Hieraus folgt von selbst, daß alle grammatischen Erörterungen während der Lektüre in dem Inhalt des vorliegenden Textes ihren Mittelpunkt finden müssen; die sprachliche Form ist insoweit zu berücksichtigen, als dadurch der Inhalt des Satzes deutlich gemacht wird. Nun ist aber besonders notwendig für das Verständnis die Analyse größerer Satzgefüge; nur vom Verständnis des Einzelnen kann man zur zusammenhängenden Erfassung des Ganzen überleiten. Die Cäsar-Lektüre wird somit, ohne daß dadurch der eben angeführte Grundsatz verletzt wird, in Quarta zunächst dazu dienen können, die verschiedenartige Auflösung der Participialkon- struktionen und im Zusammenhang damit die verschiedenen Arten der Nebeusätze deutlich zu machen: d. h. es ist die Aufgabe des Lehrers, die Schüler auf der Grundlage der durch bisherige Lektüre und deutsche Grammatik schon gewonnenen Kenntuis der Satzlehre zu einem klareren Ver- ständnis selbst verwickelter Satzgefüge und der verschiedenen Arten der Nebensätze überzuleiten.
Dieses kann natürlich nur dann erreicht werden, wenn die Selbstthätigkeit der Schüler möglichst gewahrt wird. Die in der Klasse vorzunehmende gemeinsame Präparation muß dieses Ziel stets im Auge behalten; selbst bei den verwickeltsten Satzkonstruktionen wird der Lehrer sich be- mühen müssen, durch geschickte Fragen den Schülern das Gefühl abzugewinnen, daß die Uber- windung der Schwierigkeiten zum guten Teil ihnen selbst gelungen ist. Hierbei ist allerdings Geduld die erste und unerläßlichste Tugend; durch ein ungestümes, ungeduldiges Vorgehen seitens des Lehrers können die Erfolge der Cäsar-Lektüre in Quarta leicht illusorisch werden. Man lasse sich selbst nicht durch eine Reihe von unrichtigen Antworten aus der Fassung bringen, mache vielmehr in aller Ruhe auf das Verkehrte der Autwort aufmerksam und gebe auch den schwächeren Schülern Gelegenheit, endlich das Richtige zu finden. ²) Eine einmalige wenn auch erst nach vieler Mühe erfolgte glückliche Überwindung einer Schwierigkeit fördert den Schüler weit mehr, als zehn Strafpredigten: sein Selbstbewußtsein wird gehoben, und er geht allmählich mit immer größerer Lust und daher auch größerem Erfolge an die Arbeit. Darum scheint es mir aber auch nötig zu sein, in Quarta die Lektüre auf das erste Buch Cäsars zu beschränken; es ist mir nicht er- sichtlich, wie die Selbstthätigkeit des Schülers gewahrt und die Gefahr der Oberflächlichkeit vermieden werden kann, wenn, wie Perthes vorschlägt, in dieser Klasse vier Bücher gelesen werden sollen. ³) Mit Recht hebt Schrader(Erziehungs- und Unterrichtslehre S. 373) hervor,
¹) Vergl. Wendt:»Zum Lehrplan des Gymnasiums«. Karlsruhe 1877. Seite 22.
²) Vergl. Schrader: Erziehungs- und Unterrichtslehre, S. 63:»Es ist sehr bequem, der unrichtigen Antwort des Zöglings ein einfaches-falsch« entgegenzusetzen und den folgenden zu fragen oder, falls derselbe überhaupt nicht antwortet, sich sogleich an einen anderen zu wenden; allein ein solches nur allzu häufiges Ver- fahren bekundet zunächst nicht diejenige Achtung, welche der Lehrer seiner eigenen Aufgabe und der geistigen Natur seiner Schüler schuldet, und es verhindert ihn geradezu an der nötigen Einsicht in den inneren Bildungs- stand derselben. Vielmehr hat der Lehrer den Schüler durch eine anders gewandte auf das Wesen der vor- liegenden Schwierigkeit näher eingehende Frage überhaupt zum Antworten zu bewegen; oder er hat aus der unrichtigen Antwort das geeignete Moment berauszugreifen, um durch Anknüpfung einer neuen Frage den Schüler auf seinen Irrtum, auf die Unklarheit seiner Vorstellung, auf das flüchtige Übergehen notwendiger Glieder hinzu- führen und ihn somit zur Selbstberichtigung zu befähigen«.
²) Vergl.»Begleitwort zur Cäsar-Wortkunde« S. 10 und»Vorrede zur zweiten Auflage des Quinta- Cursus«(für Lehrer zu beziehen von der Weidmanm'schen Buchhandlung) S. 11. Perthes geht hierbei offenbar


