Aufsatz 
Der lateinische Unterricht in der Quarta im Zusammenhang mit den Perthes'schen Reformvorschlägen
Entstehung
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5 in Quarta übliche zusammenhängende Lektüre(bes. Nepos und Wellers Herodot) an wesentlichen Mängeln leidet, wird wohl allgemein zugegeben; trotzdem ist der von Perthes gemachte Vorschlag, schon in Quarta mit Cäsar zu beginnen, auf vielseitigen Widerspruch gestoßen. Die Bedenken, welche dagegen geltend gemacht wurden, gipfeln besonders in der Behauptung, daß der Schüler die bei der Lektüre dieses Schriftstellers sich darbietenden sprachlichen Schwierigkeiten noch nicht bewältigen könne: eine Anschauung, welche durchweg auf der Voraussetzung der bisher in Sexta und Quinta üblichen Methode des lateinischen Unterrichts beruht. Sagt doch Dr. Blaurock¹), dass in Quarta und Untertertia die Lektüre nur in zweiter Linie in Betracht kommen könne, da»die Schwierigkeiten, auf welche die Schüler fortwährend bei der Vorbereitung auf einen Abschnitt aus Nepos, Cäsar oder vollends Ovid stoßen, beweisen, daß die Vorbedingungen fehlen, um die Lektüre in ausgedehnterer und eingehenderer Weise betreiben zu können.« Ein Schüler, der zwei Jahre hindurch nur im Üöbersetzen kleinerer unzusammenhängender Sätze geübt wurde, steht allerdings den ihm bei Cäsar entgegentretenden verwickelten Satzkonstruktionen ratlos gegenüber. Diesen Fehler hat jedoch Perthes durchaus vermieden in seinen für Sexta und Quinta bestimmten Lesebüchern, deren nicht geringster Vorzug eben darin besteht, daß sie veine methodische Vorbereitung auf das Verständnis der Schriftsteller bieten,« daß sie den Schüler durch den allmählich wachsenden Umfang der Sätze vom Leichteren zum Schwereren hinleiten und in das Verständnis zusammenhängender Lektüre einführen. Eine ganze Reihe der wich- tigsten syntaktischen Erscheinungen ist in den Perthes'schen Lesebüchern dem Schüler»zu- nächst rein empirisch, zur ersten Bekanntschaft, unter Vorbehalt späterer Erklärung und Be- gründung« vorgeführt²), und die schon früh eingereihten zusammenhängenden Lesestücke gaben Gelegenheit,»die an einzelnen Sätzen gewonnenen Kräfte an der Überwältigung größerer Schwierigkeiten zu erproben.« Hierzu kommt, daß in Quarta die Cäsarlektüre so gehandhabt werden soll, daß die häusliche Arbeit des Schülers sich auf eine durch die Perthes'sche»Cäsar- Wortkunde« unterstützte Repetition des in der Klasse unter Leitung des Lehrers Vorüber- setzten beschränkt. Der Schwerpunkt ist also auch hier(wie bei den Perthes'schen Lesebüchern) in die Klassenstunden verlegt, und es kommt vor allem darauf an, daß der Lehrer mit der größten Sorgfalt und Umsicht verfahre, um einerseits die Selbstthätigkeit der Schüler zu wahren, anderseits durch ein richtiges Maß der eingestreuten grammatisch- syntaktischen Bemerkungen dem Zweck der Lektüre allseitig gerecht zu werden.

Aus dem Fundamentalsatz der Perthes'schen Reformvorschläge, daß»nicht vom Begriffe zur Vorstellung, sondern von der Vorstellung zum Begriffe der naturgemäße Weg aller mensch- lichen Erkenntnis« sei, folgt die dominierende Stellung der Lektüre auch hinsichtlich der Syntax. Es soll mithin die Cäsar-Lektüre in Quarta auch die Grundlage der für die Grammatik angesetzten Unterrichtsstunden bilden. Ebensowenig läßt sich aber bestreiten, daßz bei jeder zusammenhängenden Lektüre der Inhalt in den Vordergrund treten muf, daß es die Hauptauf- gabe des Lehrers ist, bei allen Schülern einen wirklichen lebendigen Anteil an der Erzühlung des Schriftstellers zu erzeugen. Es bedarf daher einer planmäßigen Einwirkung des Lehrers, beides mit einander richtig zu verbinden, und zwar derart, daß die Aufmerksamkeit, welche zu-

¹)»Bemerkungen zu dem lateinischen Unterricht auf der Obertertia des Gymnasiums«. Programm. Marienwerder 1883. Seite 4. In Marienwerder sind die Ostermann'schen Ubungsbücher in Gebrauch.

²) Vergl. die Zusammenstellung derselben bei Dr. Naumann:»Die lateinischen Lehrbücher von Perthes. Berliu 1881. S. 13 ff.