Von den sieben für den lateinischen Unterricht in Quarta festgesetzten wöchentlichen Stunden werden vier Stunden der Lektüre(hiervon im zweiten Semester 1 Stunde tirocinium poeticum zur Einführung in den lateinischen Hexameter und Pentameter), drei der Grammatik zugewiesen.
I. Die zusammenhängende Lektüre(Caesar mit Benutzung der Perthes'schen Wortkunde) bildet den Mittelpunkt des gesamten lateinischen Unterrichts; hierbei ist zu beachten:
1) Die in der Klasse unter der Leitung des Lehrers sich vollziehende gemeinsame Präparation verfolgt den Zweck, den Schüler unter möglichst strenger Wahrung seiner Selbstthätigkeit das Construieren methodisch zu lehren und ihn zu einem immer klareren Verständnis des zusammengesetzten Satzes hinzuleiten, damit er beim Eintritt in die Tertia befähigt ist, auch ein verwickelteres Satzgefüge richtig zu zergliedern.
2) Da es vor allem darauf ankommt, bei den Schülern einen lebendigen Anteil an der Erzählung des Schriftstellers zu erzeugen, so müssen alle grammatischen Pr- örterungen während der Lektüre in dem Inhalt des vorliegenden Textes ihren Mittelpunkt finden.
3) Eine besondere grammatische Verwertung der Lektüre wird gewonnen:
a. durch die bei dem Übergang von der wörtlichen Ubersetzung zur korrekten deutschen Ubertragung unerläßliche Hervorhebung der wichtigsten Unterschiede zwischen dem deutschen und lateinischen Ilioms
b. durch die im Anfange einer jeden Cäsarstunde stattfindende lateinische Wieder- erzählung des in voriger Stunde Gelesenen;
c. durch die aus der Wortkunde zu memorierenden Vokabeln und Ausdrücke.
II. Aufgabe der eigentlichen Grammatikstunden ist außeer der Repetition und Befestigung der Formenlehre:
1) eine Propädeutik über die Lehre von den Satzverbindungen im engen Anschluß an die deutsche Grammatik und die Cäsar-Lektüre;
2) daneben für das zweite Semester eine systematische Behandlung der Casus-Lehre, wobei die durch die Lektüre hinreichend dargebotenen Einzelerscheinungen zusammen- gefaßzt und systematisch geordnet werden.
Zur Einübung der Regeln bedarf es zahlreicher mündlicher und schriftlicher Ubersetzungs- übungen, wobei ein entsprechendes Übungsbuch unentbehrlich ist. Die Extemporalien sollen neben dem selbstverständlichen Zwecke der grammatischen Einübung den Schüler allmählich und in methodischem Fortschritt zur Schlagfertigkeit und geistigen Gewandtheit erziehen; nur ausnahms- weise dienen sie dem Zwecke einer Prüfung des Wissens.—
Lattmann ¹) weist mit Recht darauf hin, daß man dem Schüler so bald als möglich »erstens einen sachlich wertvollen Stoff, zweitens ein aus dem Boden des Lebens der Sprache hervorgewachsenes Latein« bieten müsse. Daß die bisher
9)„Die durch die neuere Sprachwissenschaft herbeigeführte Reform des Elementarunterrichts in den alten Sprachen«. Programm. Clausthal 1871. Seite 12.


