Der lateinische Unterricht in Quarta im Zusammenhang mit den Perthes'schen Reformvorschlägen.
Seit Ostern 1881 sind an unserer Anstalt für den lateinischen Unterricht in Sexta und Quinta die Ostermann'schen UÜbungsbücher durch die Perthes'schen Lesebücher und Vokabularien ersetzt. Hierbei wurde zugleich der Umfang des auf die drei unteren Klassen zu verteilenden Lehrpensums wesentlich vergrößert. Während früher ein großer Teil der unregelmäßigen Formen- lehre der Quarta zugewiesen war, wird dieselbe nunmehr in Quinta im ganzen abgeschlossen; dieses entspricht auch der durch die ministerielle Cirkularverfügung vom 31. März 1882 getroffenen Anderung der Lehrpläne für Gymnasien und Realschulen I. Ordnung, wodurch diese einander so angenähert sind, daß bis zur Untertertia der Übergang von der einen Kategorie der Schulen zur andern unbehindert ist.
Infolge einer Aufforderung des Provinzial-Schulkollegiums zu Kassel wurde nach Ab- solvierung des Quintanerpensums über die bei der Benutzung der Perthes'schen Lehrbücher gemachten Erfahrungen und wahrgenommenen Erfolge ein Bericht abgesandt, welcher in folgendem Schlußurteil gipfelte:»Auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen glauben wir das zusammenfassende Urteil abgeben zu können, daß bei einer zweckmäßigen Benutzung der Perthes'schen Lehrbücher und bei sorgfältiger Durchführung der denselben zu Grunde liegenden analytischen Methode der Schüler sich ohne große Mühe einen für die Schullektüre ausreichenden Wortschatz aneignet und zu einer sicheren mit Verständnis gepaarten Beherrschung der gram- matischen Formen hingeleitet wird; seine Befähigung in der Auffassung schwieriger Satzformen wird gesteigert und somit das Verständnis der zusammenhängenden Lektüre schon früh angebahnt. Der Schwerpunkt des lateinischen Unterrichts ist mehr als bisher in die Klassenstunde verlegt, und die häusliche Präparation der Schüler wesentlich reduciert, während an die Thätigkeit des Lehrers größere Anforderungen gestellt sind. Wünschenswert ist jedoch eine Beschränkung des allzu reichlichen Lehrstoffes, damit häufigere und umfassende grammatische Repetitionen er- möglicht werden.« 2—
Es kam nunmehr darauf an, die(soweit mir bekannt) bei allen bis jetzt gemachten Versuchen als durchaus zweckmäßig erkannten Perthes'schen Reformvorschläge auch für das Lehr- pensum der Quarta zur Geltung zu bringen. Dem Verfasser dieser Zeilen ist an unserer Anstalt die Aufgabe zugefallen, zuerst diesen Versuch zu machen, und man wird es daher verzeihlich finden, wenn derselbe trotz seiner noch geringen Erfahrungen es unternimmt, die folgende Ab- handlung der Beurteilung und Prüfung seiner Fachgenossen zu unterbreiten.
Zunächst mögen die im folgenden näher erörterten wichtigsten Grundsätze voraus- geschickt werden.


