11
bemerkte, daß er ein echter, mit Liederbachwasser getaufter Alsfelder sei. So wie die Eindrücke der Jugendzeit am festesten im Gedächtnis haften blieben, so seien ihm die Einzelheiten der in seiner Vaterstadt verlebteii Jugendtage noch heute gegenwärtig Er freue sich lebhaft über die vorwärtsschreitende Entwickelung seiner Vaterstadt, von der der Gegenstand der heutigen Feier beredtes Zeugnis.ablege, und wünsche, daß die Stadt Alsfeld an den fortschrittlichen Ein- richtungen und Neuerungen, die ihr opferwilliger Gemeinsinn ins Leben rufe, viel Freude erlebe. Daß sie in ihrem Vorgehen in der Oberrealschulangelegenheit feste Entschlossenheit an den Tag gelegt habe, erhelle daraus, daß sie gegenüber dem in wohlmeinendstem Sinne gegebenen Rat der Regierung, voii der Verwirklichung des Projektes Abstand zu nehmen, fest geblieben sei, Sie sei also überzeugt gewesen, daß die gesamten örtlicheii Verhältnisse durch dieses Projekt gewinnen würden. Redner beleuchtete weiterhin die Bedeutung einer Oberreal- schule für das heutige praktische Lebe11 und beglückwünschte die Stadt Alsfeld zur Errichtung einer Lehranstalt, die ihren Zögliiigeii eine so umfassende Bildung vermittele.
Herr Gustav Ramspeck Il. dankte für das der Stadtvertretung gespendete Lob, an — dem das Lehrerkollegium der Oberrealschule mit Herrn Direktor Dr. Pitz an der Spitze in hohem Maße Anteil habe. Bei den unmittelbaren Borarbeiteii vor Inangriffnahme des Baues habe Herr Dr. Pitz bewiesen, daß er nicht nur ein guter Schulmeister sei, sondern auch einen guten Baumeister abgebe. Redner wünschte dem guten Einvernehmen zwischen Gemeinderat und Lehrerkollegium dauernden Bestand.
Herr Oberrealschuldirektor Dr. Pitz erzählte in humorvollen Ausführungen die Geschichte des Neubaue5. Dieser gefalle ihm so gut, daß er entschlossen sei, dauernd im lieben Alsfeld zii bleiben, es sei denn, daß man ihn abkommandiere. Redner rühmte die außerordentlichen Verdienste der Herreii sireisstraßenmeister Braun und Eckhard um die Bauleitung und widmete dem spirjtus rector des ganzen, Herrii Geh. Oberbaurat Klingelhöffer, warme Dankesworte für die Fertigung der Pläiie des ob seiner praktischen und stilvollen Ausgestaltung allseitig bewunderten Baues.
Herr Geh. Oberbaurat Klingelhöffer, auch ein Alsfelder Ki11d, gab seiner Freiide über den Erfolg seiner Vaterstadt in der Oberrealschulfrage Ausdruck und dankte für die ihm und der Bauleitung gewidmeten anerkennenden Worte. Auch er verfehle nicht, seiner Genug- tuung über das ersprießlicje Zusammenwirken mit der Stadtvertretung Alsfelds und Herrii Dr. Pilz Ausdruck zu geben. Die Herreii Braun und Eckhard hätteti um die Bauleitung sich große Verdienste erworben. Aber auch alle am Bau beteiligten Meister und Gesellen des Bauhandwerka hätten Tüchtiges geleistet. Das Bauhandwerk habe ja gerade in Alsfeld eine ruhmreiche Vergangenheit, davon zeugten die alten Baudenkmäler. Nach schweren Zeiten sei neuerdings unter der Fürsorge des Staates eine bessere Zeit für das Bauhandwerk angebrochen, die hoffentlich von Dauer sei. Redner wünschte dem Alsfelder Bauhandwerk Blühen und Gedeihen
An den Landtagsabgeordneten Justizrat Reh richtete Herr Dr. Pitz Worte wärmsten Dankes für sein andauerndes und schließlich von Erfolg gekröntes Bemühen, die Stimmen der Regierung und der beiden Kammern für das Alsfelder Oberrealschulprojekt zu gewinnen. Möchte auch in künftigen Fälle11 den Bemühungen des Vertreters der Stadt im Landtag im Interesse seiner Heimatstadt der gleiche Erfolg beschieden sein.
Herr Rektor Foermes von der höheren Bürgerschule in Lauterbach dankte im Namen der Lehrerkollegien der benachbarten Städte für die Einladung zur Feier und beglückwünschte- die Oberrealschule z11 Alsfeld zu ihrem neuen Heim.
Herr Landtagsabgeordneter Justizrat Reh berichtete nach kurzen Dankesworten auf die ihm gezollte Anerkennung über seine Tätigkeit in der Oberrealschul-Angelegenheit. Er habe sich, bevor er Schritte in derselben getan, durch Verhandlungeii mit dem Gemeinderat erst versichert, ob die Gemeinde Alsfeld in dieser Frage auch hinter ihm stehe, und nachdem der einstimmige Beschluß des Gemeinderats, die in Betracht kommenden Opfer zu bringen, vorgelegen habe, sei er vorgegangen und habe in 1904 den Antrag bei der Kammer eingebracht. Nachdem der Widerstand im 4. Ausschuß der Kammer gegen den Antrag überwunden gewesen sei, sei der letztere im März 1905 im Plenuin zur Verhandlung gekommen. Die Regieruiig habe noch


