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Nachdem ſeit dem Jahre 1871 keine Inſpektion des Turnunterrichts ſeitens der resp. Behörde ſtattgefunden, war zwecks Viſitation desſelben Herr Prof. Dr. Euler, Unterrichts⸗Dirigent der Königl. Turnlehrer⸗Bildungsanſtalt in Berlin, am 19. Auguſt hier anweſend und wohnte dem Turnunterricht in drei oberen Abteilungen bei. Derſelbe ſprach ſeine volle Zufriedenheit über die erzielten Erfolge aus. Auch billigte er die Anlage des neuen Turnplatzes beim Holzmagazin, welcher für die Zukunft den zu ſtellenden Anforderungen entſprechen würde, wenn die angepflanzten Linden erſt Schatten ſpenden und die noch fehlende Halle recht bald in einem Teile des vorhandenen Holzſchuppens fertig geſtellt würde; letztere würde dann bei ungünſtiger Witterung den erforderlichen Schutz bieten können. Es iſt mir angenehm, hierbei bemerken zu koͤnnen, daß Dispenſationen vom Turnunterricht nur in ganz begrün⸗ deten Fällen beantragt wurden.
Eine Schulfeier wurde, wie ſeit dem Jahre 1872 am 2. Septbr., dem nationalen Gedenktage der glorreichen Thaten unſeres Heeres in dem letzten deutſch⸗franzöſiſchen Krieg, in üblich gewordener Weiſe mit Geſang und Declamation patriotiſcher Lieder und Gedichte abgehalten. Die Feſtrede hielt wie bisher ſeit obengenanntem Jahre der Unterzeichnete, welcher auf Grund des Generalſtabswerkes über den deutſch⸗franzöſiſchen Krieg eine gedrängte Darſtellung der Belagerung und Einnahme von Paris gab. Am Nachmittage desſelben Tages wurde in Begleitung des Herrn Haaſe und des Unter⸗ zeichneten ein Ausflug nach dem Frauenberg ausgeführt, an dem ſich hauptſächlich der Sängerchor der Schule beteiligte.
Am 31. October v. J. fand die Feier des Reformationsfeſtes ſtatt. Herr Pfarrer Wolff führte bei dem Schulaktus in ſeiner Rede an der Hand der Geſchichte aus, daß das ganze Werk der Kirchen⸗Erneuerung von den Reformatoren nicht aus ſelbſtſüchtigen und irdiſchen Beweggründen unternommen und durchgeführt worden ſei, ſondern aus heiligem Verlangen nach der eignen Seligkeit und der Beförderung des Reiches Gottes. Am Nachmittag desſelben Tages fiel der Unterricht aus.
Den 17. März wird höherer Anordnung zufolge ein Schulaktus zur Feier des allerhöchſten Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs abgehalten werden, über welchen im nächſten Programm berichtet werden wird.
Der größere Spaziergang, welcher alljährlich von Lehrern und Schülern in Gemeinſchaft ausgeführt wird, wurde diesmal am 22. Juni unternommen, und zwar reiſten die Schüler der Secunda und Tertia unter Führung der Herren Leimbach und Schürmann mit Benutzung der Eiſenbahn über die Altenburg(bei Römersberg) nach Wildungen und Wabern. Die Schüler der Quarta gingen in Begleitung der Herren Dr. Schäfer und Haaſe über Ebsdorf, Nordeck, Allendorf und Treis nach Lollar; von hier fuhren ſie mit der Bahn zurück. Die Quintaner und Sextaner beſuchten unter Leitung der Herren Hölzerkopff, Wolff ſowie des Unterzeichneten die Amöneburg. Wie immer, ſo herrſchte auch diesmal eine fröhliche Stimmung auf den verſchiedenen Touren, welche durch günſtiges Wetter noch erhöht wurde.
Ausnahmsweiſe wurde der 12. Septbr. v. J. noch frei gegeben, um den Schülern die ſelten vor⸗ kommende Gelegenheit zu bieten, das Manöver des 11. Armeekorps an dieſem Tage mit anzuſehen. Die meiſten Schüler, in Begleitung der Herren Schäfer, Hölzerkopf, Böhmel, Haaſe und des Unterzeichneten zogen in der Frühe mit den hier garniſonierenden Truppen nach Wittelsberg, von welchem Orte ſich dann die Truppen des 11. Armeekorps ſchnellen Schrittes nach Ebsdorf dem Feinde entgegenbewegten; hier fand die Hauptaktion ſtatt, welche von der zahlreichen Zuſchauermenge leicht beobachtet werden konnte. Das Vergnügen des Tages wurde weſentlich erhöht, als das anfangs regneriſche Wetter ſich in einen herrlichen Septembertag umwandelte. So kehrten alle Teilnehmer mit großer Befriedigung gegen Abend wieder nach Marburg zurück.—.
Um den Schülern noch eine beſondere Gelegenheit zu geben, ſich auf dem Eiſe zu beluſtigen, welches im letzten Winter nur kurze Zeit der Fall ſein konnte, fiel am 12. Januar nachmittags der Unterricht aus.
Am 5. Juni v. J. wurde auf höhere Anordnung der Unterricht ausgeſetzt, weil an dieſem Tage eine Zählung zum Zwecke der Aufſtellung einer Berufsſtatiſtik ſtattfand und faſt alle Lehrer der Anſtalt hierbei mit einem Auftrage betraut waren, deſſen Ausführung indeſſen weit mehr Zeit in Anſpruch nahm als der Ausfall der Unterrichtsſtunden betrug.
Aus mehrfachen Gründen war in einer Lehrerkonferenz am 6. Juni v. J. beſchloſſen worden, daß die Lehrer mit den Sekundanern an Sonnabendnachmittagen bei günſtiger Witterung gemeinſchaft⸗
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