Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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Aus der Schnelligkeit, mit welcher Karl ſich in den Beſitz von ſeines Bruders Reichstheil ſetzte, aus der Bereitwilligkeit eines Theils der Großen, ihn anzuerkennen), ſchließt Abel wohl mit Recht, daß das Ganze ſchon zu Lebzeiten Karlmanns vorbereitet war.2) Es ſcheint allerdings Karl, nachdem er ſich überzeugt, daß ſo lange ſein Bruder lebte, die Einheit der fränkiſchen Monarchie gefährdet war, den bei ſeinem und ſeiner Zeit Charakter nicht auffallenden Entſchluß gefaßt zu haben, ſich mit Gewalt in den Beſitz der Herrſchaft des ganzen Reiches zu ſetzen. Es ſprechen dafür nicht nur die von Abel vorgebrachten Gründe, ſondern beſonders auch die oft erwähnte Stelle des Briefes Cathuulf's, wo dieſer es als einen beſonderen Glücksfall für Karl preiſt, daß Gott ihn durch den Tod ſeines Bruders zum Herrſcherüber das ganze Reichohne Blutvergießen gemacht habe); denn in dieſen Worten liegt doch nicht nur, daß ein Krieg vor Karl⸗ manns Tode bevorſtand, ſondern daß es ſich in demſelben um Er⸗ langung der Herrſchaft über das geſammte Reich gehandelt hätte.*) Je größer aber die Gefahren geweſen, welchen Karl durch den Tod ſeines Bruders entgangen war, umſo weniger konnte er geſonnen ſein, die Anſprüche ſeiner Neffen auf die Nachfolge im Reichstheile ihres Vaters anzuerkennen und dadurch der Partei, welche ſeinen Plänen entgegen arbeitete, einen neuen Rückhalt zu geben.) Ob Karls Hand⸗

¹) Einhard. v. C. M. c. 3. Jaffé IV, 513 ſagt mit Unrecht:Karolus autem, fratre defuncto, consensu omnium Francorum rex constituitur, da er ſelbſt vorher ausdrücklich angibt:uxor eius et filii cum quibusdam, qui ex numero optimatum eins primores erant, Italiam fuga petiit, was durch die ann. Laur. mai. I. c. beſtätigt wird.

2) p. 83 u. 84.

³) Jaffé p. 337:Quod Deus transtulit illum de regno(Franco)rum et exaltavit te super omne hoc regnum sine sanguinis effusione.

) Vgl. Thijm, K. d. G. p. 144. Wenn aber Thijm annimmt, Karl habe den Tod ſeines Bruders veranlaßt, ſo geht er zu weit. Bemerkenswerth iſt die Art, wie er dieſe That zu rechtfertigen ſucht.

) Für beſtimmte Anſprüche der Söhne erklären ſich: Ellendorf, die Karolinger und die Hierarchie ihrer Zeit, 1838, I, 161; Sugenheim, Geſchichte der Entſtehung und Ausbildung des Kirchenſtaats, 1854, I, 37; dagegen: Hegewiſch, Geſchichte der Regierung Kaiſer Karls des Großen, 1791, p. 58; Leo, Geſchichte von Italien, I, 199 n. 3; beſonders aber Waitz, Verfaſſungsgeſchichte III, 93 n. 5, deſſen Anſicht wir uns beſonders mit Rückſicht auf die Beſtimmung der Divisio vom J. 806, c. 5, LL. I, 141 anſchließen.