Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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68 in die allerletzte Zeit des Papſtes ſetzte. Will man zu den von Jaffé und Abel angegebenen Gründen noch einige hinzufügen, ſo möchten es folgende ſein: Aus der vita Hadriani geht hervor, daß Paul Afiarta bis nach dem am 1ten Februar 772 erfolgten Tode Stephans am Ruder blieb); ſo lange dies aber der Fall war, konnte König Karl⸗ mann, der dem Papſte ſeine Betheiligung am Sturz des Chriſtophorus und Sergius ſo übel nahm, daß er mit einem Einmarſch in das päpſtliche Gebiet drohte²), ſich nicht mit Stephan ausſöhnen. Wir finden beide aber im Jahre 770, alſo in einer Zeit, wo nach Cenni ſchon jene dem fränkiſchen Einfluß ungünſtige Wendung der römiſchen Politik eingetreten wäre, in freundſchaftlichem Verkehr.*) Andererſeits hätte aber wohl Stephan, ſo lange er unter Afiartas und ſomit lango⸗ bardiſchem Einfluß ſtand, ſchwerlich den oft erwähnten gegen die Hei⸗ rath Karls mit Deſiderata gerichteten Brief*) geſchrieben, der an Ge⸗ häſſigkeit gegen die Langobarden ſelbſt unter den Exemplaren des cod. Carol. ſeines Gleichen ſucht; er hätte ſich auch von den in demſelben enthaltenen Schmähungen kaum irgend welchen Erfolg verſprechen können, wenn er, wie man nach Cenni's Anordnung annehmen müßte, kurz vorher in dem Briefe an Karl und Bertha von Deſiderius in den ſchmeichelhafteſten Ausdrücken geſprochen hätte.) Dagegen verliert die Sache alles Auffallende, wenn wir mit Jaffé dieſen letzteren und ſomit auch die in ihm erwähnten Ereigniſſe ins Jahr 771 ſetzen, wo Karls Verheirathung mit Deſiderata den Papſt zwang, gegen den nunmehrigen Schwiegervater des Königs eine mäßigere Sprache zu führen, ſelbſt wenn dies nicht wie im vorliegenden Falle in ſeinem eigenen Intereſſe geweſen wäre.¹)

¹) Ueber das Datum vgl. Jaffé, Regesta Pont. ad a. 772 p. 201. Afiarta wird noch von Stephans Nachfolger Hadrian I. als Geſandter an Deſiderius geſchickt. v. Hadriaui I. c. 180 II A. Seinen Einfluß zeigt der Umſtand, daß er dem Langobardenkönig verſpricht, den Papſt zur Nachgiebigkeit gegen dieſen zu zwingen, I. c. p. 181 I B. Sein Sturz I. c. p. 81 II A.

²) ſ. oben p. 63 u. 64.

³¹) cod. Car. 48(Cenni 48), Jaffé 49, p. 166.

¹) cod. Car. 45(Cenni 49), Jaffé 47, p. 158.

²¹) ep. 46(Cenni 45), Jaffé 50, p. 168:excellentissimus filius noster Desr- derius Langobardorum rex ebenſo p. 169; p. 170:cum praelato excel- lentissimo et a Deo servato filio nostro Desiderio rege. Vgl. oben p. 62.

) Auch in den übrigen nach der Heirath geſchriebenen Briefen fehlen die Ausfälle gegen die Langobarden, ſ. Jaffé ep. 48 u. 49, p. 164 ff. u. 166 ff.