VI. Der Sturz des Chriſtophorus und Hergius.
Am Ende des Jahres 770, als Bertha ihrem Sohne die Braut zugeführt hatte, ſchienen alle ihre Bemühungen vom beſten Erfolge gekrönt zu ſein: Die Könige, verſöhnt, ſtanden beide in Beziehungen zum Papſte, wie ſie ihrer Stellung als patricii entſprachen, Karl be⸗ ſonders hatte nicht geringen Eifer für die Gerechtſame des Stuhls Petri und für die Anerkennung der Autorität des Papſtes in Ra⸗ venna gezeigt; die gefährlichen politiſchen Verbindungen waren ge⸗ ſprengt, und an ihre Stelle freundliche Beziehungen zu Taſſilo und Deſiderius getreten. Daß alles dieſes keinen Beſtand hatte, daß im Gegentheil die Einheit des fränkiſchen Reiches und ſeine Stellung zu den Nachbarſtaaten ſchon am Ende des Jahres 771 mehr als je be⸗ droht war, das hatte ſeinen Grund beſonders in der treuloſen Politik des Papſtes Stephan.
Stephan verdankte ſeine Wahl den beiden erſten Würdenträgern der römiſchen Kirche, dem Primicerius Chriſtophorus und deſſen Sohn Sergius, die den Uſurpator Conſtantin mit langobardiſcher Hülfe ver⸗ drängt*), dann aber auch die Abſichten der Langobarden, einen Papſt ihrer Wahl zu erheben, vereitelt*) und ſogleich die engen Beziehungen zum fränkiſchen Hofe wieder hergeſtellt hatten.“) Die Folge davon war, daß ſofort nach Stephans Wahl die Beſitzſtreitigkeiten mit den Langobarden wieder ausbrachen, wobei beſonders die beiden genannten Männer den Papſt fortwährend anhielten, die Frankenkönige zur Ver⸗
¹) v. Stefani III. Muratori III, 174 I C— 175. ) 1. c. 176 1 D. ³) Sie waren im Jahre 769 als Geſandte in Frankreich, um die Betheiligung fränkiſcher Biſchöfe an dem in dieſem Jahre abgehaltenen Lateranconcil zu er⸗ wirken, Muratori I. c. 177, vgl, oben p. 40 n. 4. 5


