Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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der Dinge konnte man vorausſehen, daß ihre Anweſenheit in Rom Veranlaſſung zu ernſthaften Erörterungen mit dem Papſte geben mußte; die Königin⸗Mutter mußte alſo entweder auf ſolche vorbereitet ſein oder die Reiſe nach Rom ganz vermeiden. Am wahrſcheinlichſten iſt es wohl, daß Bertha den Papſt von der abgeſchloſſenen Verbindung benachrichtigen, ihn mit der vollendeten Thatſache ausſöhnen wollte, wozu die Nachricht, daß Deſiderius zur Rückgabe vieler Städte bereit ſei, nicht wenig beitragen mochte. Thatſache iſt es wenigſtens, daß Stephan ſich bald in ſeine Lage fand und mit beiden Frankenkönigen wieder in freundſchaftlichen Verkehr trat, wie mehrere an ſie gerichtete Briefe zeigen!). Daß Bertha aber bei der Befriedigung des Papſtes thätig geweſen ſei, und daß der Papſt dies gewußt habe, dafür ſpricht beſonders auch der Brief, den Stephan zu Ende des Jahres 770 oder im J. 771 an Karl und Bertha richtet, um beiden für ihren Eifer für das Wohl des Stuhls Petri zu danken, den ſie bei der Uebergabe der Städte an den Tag gelegt hätten*). Noch einen anderen Vortheil brachte dem Papſt die Verbindung Karls mit Deſiderius. Auf dem erzbiſchöflichen Stuhl von Ravenna hatte ſich über ein Jahr der Uſur⸗ pator Michael mit langobardiſcher Hülfe unabhängig von Rom be⸗ hauptet. Zu Ende des Jahres 770 wurde er durch eine Geſandtſchaft Karls und des Papſtes mit Hülfe der Ravennaten vertrieben und Leo als Erzbiſchof eingeſetzt?). Daß Deſiderius ihn nicht mehr wie früher ſtützt, iſt offenbar eine Folge ſeiner Verbindung mit Karl welche ihn auch zum Einſtellen offenkundiger Feindſeligkeiten gegen den Papſt be⸗ wog*).

¹) cod. Car. 44, 46, 48, Jaffé Bibl. IV, ep. 48, 50, 49, p. 164 ff., 168 ff., 166 ff., über die Zeit der Abfaſſung vgl. p. 165 n. 1, 168 n. 1. u. Reg. Pont. p. 201.

¹) cod. Car. 44, Jaffé 48, p. 164 ff. Daß dieſer Brief ſich auf die in den ann. Pet. a. 770 erwähnte Rückgabe der Städte bezieht hat Jaffé p. 165 n. 1 rich⸗ tig erkannt, vgl. Abel, p. 71.

³) Nuratori III 177 11 D 178 I C.(vita Stefani III.). Die Zeitbeſtimmung bei Gregorovius II, 379 u. 380 widerſpricht der Angabe des Biographen in Ver⸗ bindung mit der Zeit des Todes des Erzb. Sergius, ſ. Abel 71 n. 4.

) Gfrörers Behauptung III b, 578:Seitdem(ſeit der Heirath) beraubte Deſide⸗ rius ungeſcheut den Kirchenſtaat iſt, wie die Briefe des cod. Car. bei Jaffé, 48, 49, 50, p. 164 170, und der Schluß der vita Stefani, Muratori III, 178 II B ff. in Verbindung mit der v. Hadriani l. c. 180 I B zeigt, ohne allen Anhalt in den Quellen; Thijm, K. d. G. P. 144 wiederholt nur Gfrörers Be⸗ hauptung faſt wörtlich ohne neue Belege.