V. Die Heirath Karls und ihre Folgen.
Bald noch der Ausſöhnung der jungen Köͤnige hatte ihre Mutter Bertha die Reiſe nach Italien angetreten, um für ihren Sohn Karl die Braut abzuholen und dadurch die Verhandlungen mit Deſiderius zum Abſchluß zu bringen. Um die Zeit ihres Aufenthalts am lango⸗ bardiſchen Hofe muß Stephan die erſten indirecten Nachrichten von ihrem Vorhaben erhalten haben, nachdem man bisher alle einleitenden Schritte ſorgfältig vor ihm geheim gehalten hatte. Er richtete den ſchon erwähnten Brief an die beiden Brüder, in welchem er ſagt:*) Es ſei zu ſeiner Kenntnis gekommen, daß der Langobardenkönig da⸗ rauf ausgehe, ſeine Tochter einem der Frankenkönige zur Gemahlin zu geben. Dieſer Plan wird dann als„Eingebung des Teufels“, der Gedanke an eine Verbindung des herrlichen Volkes der Franken mit „den treuloſen und ſchmutzigen“ Langobarden als Tollheit bezeichnet und beſonders hervorgehoben, daß die Könige ſchon nach Vorſchrift ihres Vaters Gemahlinnen aus fränkiſchem Geſchlechte genommen hätten, welche ſie nicht verſtoßen dürften. Nachdem ſich Stephan in allen möglichen Vernunftgründen mehr aber noch in den ſtärkſten Aus⸗ fällen gegen die Langobarden erſchöpft hat, kommt er wieder zurück auf die Ermahnung, daß keiner der beiden Brüder die Tochter des Deſiderius heirathe, und daß ſie auch ihre Schweſter Giſela dem langobardiſchen Thronfolger Adelchis nicht zur Frau geben möchten.
Der Brief iſt in mehr als einer Hinſicht intereſſant: er deckt nicht nur die Politik der damaligen Päpſte auf, die darin beſtand, Zwieſpalt zwiſchen Franken und Langobarden, wie früher zwiſchen dieſen und den Griechen zu ſäen, und die einen gegen die anderen zur Aufrichtung einer weltlichen Herrſchaft zu benutzen¹), er iſt auch wichtig für die
*) eod. Car. 45. Jaffé IV, 158 ff. *¹) Vgl. Gregorovius II, 375; Oelsner p. 111.


