Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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einzige Mal in ihrem Leben ernſtlich gram iſtt), ohne daß man des⸗ halb annehmen muß, ſie hätte Karl den Abfall vom langobardiſchen Bündnis übelgenommen; denn dieſer hätte ja auch ohne Verſtoßung der Gemahlin ſtattfinden können. Daß Bertha nach 3 Seiten hin verſöhnend einwirkt, und man nicht etwa, wie es wohl ſonſt Karl thut, mit Hülfe des einen verſöhnten Gegners den anderen überwältigt, iſt ein neuer Beweis, daß zwiſchen den 3 feindlichen Mächten ein Einver⸗ ſtändnis exiſtirte. Endlich aber findet auch die Rückgabe der Städte an den Papſt ihre ungeſuchte Erklärung: Bertha und Karl folgten darin nur dem Beiſpiel Pippins, daß ſie mit dem Papſte in gutem Einvernehmen zu ſtehen ſuchten, Deſiderius aber hatte alle Urſache der ehrenvollen Verbindung mit dem Frankenkönige und der dadurch gewonnenen geſicherten Stellung einige Städte zum Opfer zu bringen, umſomehr als er dadurch weitergehende Anſprüche abſchnitt,2²) So hatten Karl und Bertha die Ruhe für die nächſte Zeit hergeſtellt, ohne daß erſterer damit auf die Durchführung ſeiner vom Vater er⸗ erbten Pläne verzichtet hätte.

¹) v. C. M. c. 18, Jaffé p. 526:Colebat enim eam(Berthradam) cum summa reverentia, ita ut nulla umquam invicem sit exorta discordia praeter in divortio filiae Desiderii regis, quam illa suadente acceperat. Daß die Initiative zur Verbindung mit der Tochter des Deſiderius nicht, wie die päpſtlichen Autoren mit einem Seitenhieb auf den Langobardenkönig angeben, von dieſem ausging, ſondern von Karl und Bertha zeigt die ganze Faſſung der alten Annalen(ſ. oben); vgl. Mabillon, Annales ordinis S. Benedicti II, 204; Abel p. 54 ff. Wenn Stephan III. in ſeinem Briefe an die Brüder, in welchem er dieſelben beſchwört, keinerlei Verhindung mit den Langobarden einzu⸗ gehen, die Sache ſo darſtellt, als ob Deſiderius ſeine Tochter angeboten habe, (ep. cod. Car. 45, Jaffé 47, p. 158), ſo iſt dies nur ein kluger Zug des

Papſtes, um den ganzen Plan als einen verabſcheuenswürdigen bezeichnen zu können, vgl. Abel p. 68, ſ. unten. Von Deſiderius laſſen die Anregung aus⸗ gehen auch: Gfrörer II b, 378; Sugenheim, G. des deutſchen Volkes I, 355 und Kirchenſtaat p. 36; Gregorovius II, 374.

²¹) Abel, p. 71. Sugenheim, Kirchenſtaat p. 36.