Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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ragende Rolle, welche die Königin⸗Mutter Bertha bei allen ſpielt. Nach 3 Seiten hin wird durch ſie eine Verſöhnung herbeigeführt, zwiſchen Kart einerſeits, Taſſilo, Deſiderius und Karlmann anderer⸗ ſeits; Karl und Bertha ergreifen dabei die Initiative.

Soweit wird jeder, der die Nachrichten unbefangen betrachtet, Abel beiſtimmen.¹) Iſt dies aber der Fall, ſo hat es doch gewiß die größte Wahrſcheinlichkeit für ſich, daß die 3 zu verſöhnenden Mächte vorher im Einvernehmeu miteinander geſtanden haben, und daß ihre dem Beſtande des Reiches in ſeiner Geſammtheit gefahrdrohende Stellung Karl zur Annäherung bewogen hat. Es ſpricht für unſere Auffaſſung aber weiter der Umſtand, daß gerade die Quelle, die am heftigſten das Auftreten Karlmanns gegen ſeinen Bruder tadelt²), die ſoweit geht, den Tod des Erſteren, durch den Karl die Herrſchaft über das ganze Reich erhalten habe, als ein beſonders glückliches Ereignis für dieſen zu bezeichnen, von einem Geiſtlichen ſtammt, der ganz hin⸗ geriſſen von dem Glanz dergoldenen kaiſerlichen Roma³), einge⸗ taucht in die hierarchiſch⸗univerſaliſtiſche Auffaſſung des karolingiſchen Reiches, ſchon ähnlich wie es bei ſpäteren Autoren allgemein üblich wird in dem König den Herrn der geſammten Chriſtenheit, den Streiter Gottes ſieht, den er mit Chriſtus und David vergleicht.*) Es ſpricht ferner für unſere Anſicht der Ausdrucksocietatem separare molientibus, mit welchem Einhard die Beſtrebungen der Großen Karlmanns bezeichnet), indem es wohl näher liegt, denſelben ſo auf⸗ zufaſſen, daß dieſe Großen die Gemeinſamkeit der beiden Reichstheile, welche Pippin beſtimmt hatte?), aufzuheben ſtrebten, als mit Waitz das Wortsocietas ſowie den Ausdruckregni socius gerade auf die Gemeinſamkeit in der Verwaltung Neuſtriens zu beziehen*), oder es, wie Abel thut, für identiſch mit dem rein perſönlichen Ausdruck concordia zu erklären.*)

*) Abel, K. d. G. p. 53 56 u. 62 ff.

²) Der oben erwähnte Brief Cathuulfs, Jaffé, IV, 336, der um 775 geſchrieben iſt.

³) 1. c. P. 337:Octava quod auream et imperialem Romam intrasti.

) 1. c. am Anfang p. 336 und beſonders p. 337:et hoc exemplatum est de te quod in salmis legitur quamquam de Christo et de David maxime intelligitur etc. und p. 340:quod minister Dei es in his omnibus et vindex etc.

³) v. C. c. 3. ſ. oben p. 89, n. 1.

) ſ. oben p. 75 ff.

) Verfaſſungsgeſchichte III, 91 n. 2.

³) K. d. G. p. 22, n. 2. Für unſere Erklärung des Wortes societas ſpricht auch