Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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jener Oppoſition anerkannten, oder daß ſie von den Trägern derſelben nur als Werkzeuge benutzt wurden. So haben wir oben ſchon die Ver⸗ bindung Griphos mit auſtraſiſchen und neuſtriſchen Großen erwähnt; derſelbe raſtloſe Widerſacher Pippins floh ſpäter zu Waifar von Aqui⸗ tanien, dem erbitterten Feinde ſeines Stiefbruders, und fiel, als er im Begriff war, ſich von dieſem zum König Aiſtulf nach Italien zu bege⸗ ben, im Kampf mit einigen burgundiſchen Grafen ſeines Bruders ¹). Selbſt Karlmann, der ältere Bruder Pippins und Anfangs deſſen treuer Kampfgenoſſe gegen die der karolingiſchen Herrſchaft wider⸗ ſtrebenden Elemente, beſonders gegen Gripho, ſucht nach ſeiner Ab⸗ dankung und Pippins Erhebung im Intereſſe Aiſtulfs die Verbindung Pippins mit dem Papſte zu verhüten²), ein Unternehmen, welches ſeine Gefangenſchaft zur Folge hatte, in der er kurze Zeit darauf ſtarb, wäh⸗ rend ſeine Söhne durch Einſperrung in Kloſtermauern verhindert wur⸗ den, der Politik ihres Oheims hindernd entgegen zu treten).

Wir ſuchen nur eine alte Anſicht wieder zu ſtützen, wenn wir eine Verbindung Karlmanns mit den Feinden der karolingiſchen Politik im Innern und außerhalb des Reiches annehmen*), werden aber auch ſehen, daß dieſe Anſicht die Quellenangaben in beſſeren Zuſammenhang bringt als die von Abel aufgeſtellte. Zunächſt ſpringt bei den oben erwähnten aus den Jahren 769 und 770 überlieferten Ereigniſſen ſofort in die Augen, daß ein enger Zuſammenhang zwiſchen ihnen beſteht. Derſelbe wird ſchon äußerlich gekennzeichnet durch die hervor⸗

p. 295 ff., III, 1, p. 114 ff. u. dagegenForſchungen zur deutſchen Geſchichte

1. Bd. Göttingen 1864, p. 121 ff.; vgl. p. 587. ff. Ueber die langobardiſche Nationalität vgl. auch Döllinger, das Kaiſerthum Karls des Großen, im Münche⸗ ner Hiſt. Jahrbuch für 1865, p. 322. ff. Die Keime des deutſchen Nationalge⸗ fühls auch in der früheren Karolingerzeit ſowie ihr Verhältnis zum Stammes⸗ gefühl im Mittelalter hat beſonders Rückert, Deutſches Nationalbewußtſein und Stammesgefühl im Mittelalter in Raumer's Hiſtoriſchem Taſchenbuch, IV. Folge, II. Jahrg. 1861, p. 337 ff, nachgewieſen(vgl. p. 374), der die Vereinigung der ein⸗ zelnen Stämme im karolingiſchen Reiche als mitwirkendes Moment allerdings gegen die Abſicht der Herrſcher anerkennt(p. 379.).

¹) Oelsner p. 78.

²) Oelsner p. 162 164; Thijm, K. d. G. 102 u. 103.

³) 1. c.

¹) Schon Daniel, Geſchichte von Frankreich ſeit der Stiftung der fränkiſchen Mo⸗ narchie in Gallien, Nürnberg 1756, 2. Thl. p. 236 ff. nimmt dies an; vgl. Dippoldt, Leben Kaiſer Karls d. G., q. 24 ff.; Müller II, p. 410; beſonders Waitz, Verfaſſungsgeſchichte III, p. 92, Thijm, K. d. G. p. 141 ſtellt es als ganz ſicher hin, doch ohne Beweisgründe beizubringen.