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Es iſt nun unſere Vermuthung, daß es dieſe Partei unter den Großen war, welche die Abneigung des jüngeren Bruders gegen den älteren, deſſen Ueberlegenheit jener wohl drückend empfinden mochte, zu ihren Zwecken zu benutzen und deshalb zu ſchüren ſuchte, daß aber dieſe Großen wieder in Verbindung ſtanden mit Mächten an der Pe⸗ ripherie des Reiches, die ſich durch die erwähnten Tendenzen bedroht ſahen, beſonders mit dem Baiernherzog Taſſilo und dem Langobarden⸗ könig Deſiderius. Der Letztere hatte von Anfang ſeiner Regierung an wegen ſeines Auftretens gegen den Papſt mit Pippin auf geſpann⸗ tem Fuße geſtanden“), Taſſilo aber hatte ſich im Jahre 763, da Pip⸗ pin in den aquitaniſchen Krieg verwickelt war, von dieſem losgeſagt*) und ſchaltete ſeitdem völlig unabhängig in ſeinem Herzogthum*). Beide waren überdies kurz vor Pippins Tode in enge verwandtſchaftliche Be⸗ ziehungen getreten, indem, wie oben erwähnt, Taſſilo des Deſiderius Tochter Liutperga geheirathet hatte*). Was liegt nun näher als der Gedanke, daß dieſe beiden Fürſten die günſtige Gelegenheit, als das fränkiſche Reich unter zwei jugendliche Fürſten getheilt und überdies durch die Zwietracht derſelben geſchwächt war, benutzt hätten, um in Verbindung mit der obenerwähnten Partei, vielleicht auch mit den aufrühreriſchen Aquitaniern*), den jungen, unerfahrenen Karlmann auf ihre Seite zu bringen und dadurch die ihnen beiden Gefahr drohende Einheit des fränkiſchen Reiches zu untergraben. Es wäre nicht das erſte Mal, daß karolingiſche Prinzen ſich jener Oppoſition, mag man ſagen des Stammes⸗ oder des Nationalgefühls, gegen die Tendenzen ihres Hauſes angeſchloſſen hätten*), ſei es daß ſie die Berechtigung
¹) Vgl. Oelsner p. 319 u. 321.; Abel p. 39.
¹) ann. Lauriss. mai. a. 763, Pertz SS. I, 144.
³) Vgl. Oelsner p. 380; Abel p. 40 ff.
*) Ueber die Zeit der Heirath vgl. Abel p. 47, n. 5 u. 48. Ueber die enge Ver⸗ bindung Taſſilos und Deſiderius und ihre Stellung zum fränkiſchen Reiche ums Jahr 768 vgl. Abel p. 47; Rudharo p. 314. u. 15; Gérard, I, 146.
⁴) Hunald entfloh nach einer ſpäteren Nachricht aus der fränkiſchen Haft und fand Aufnahme bei Deſiderius, vgl. Abel, p. 38, n. 3. Hegewiſch Geſchichte der Re⸗ gierung Kaiſer Karls des Großen, 1791, p. 57.
⁴) Es kann hier nicht unſerc Aufgabe ſein, für oder gegen die Berechtigung dieſer Oppoſition zu ſprechen; das Vorhandenſein wenigſtens der Keime zu einem fran⸗ zöſiſchen, italieniſchen und deutſchen Nationalgefühl als trennender Kräfte im karolingiſchen Reiche ſcheint uns unbeſtreitbar; vgl. Sybels Hiſt. Zeitſchrift II, 1. p. 203 ff., III, 1, 225 ff., V, 1, 191 ff.(Ueber die Entwickelung der italieniſchen Nationalität beſ p. 195), 257, 258 fſ, 270 ſſ., VI. 1, 222 ff.; beſonders IV, 1.
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