Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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bindung Karls mit Deſiderius war daher nichts anders als eine Ver⸗ ſtärkung ſeiner bisher getrennten Gegner, wenig geeignet, in ihm ver⸗ ſöhnliche Gedanken zu erwecken. Es müßten daher wohl andere gewichtige Gründe geweſen ſein, die ihn zum Eingehen auf die Vor⸗ ſchläge ſeiner Mutter, zum Aufgeben ſeiner bisherigen Stellung gegen⸗ über jenen beiden Mächten bewogen hätten. Dies erkennt Abel wohl, deshalb vermuthet er, daß die erwähnte Rückgabe der Städte an den Papſt ihn zur Verſöhnung beſtimmt habe.) Dann müßte man aber zuvor annehmen, daß der Papſt ſelbſt wegen dieſer Rückgabe dem Plane geneigt geweſen ſei ſonſt würde die Rückſicht auf ihn Karl⸗ mann nicht für denſelben haben gewinnen können; daß dies aber durchaus nicht der Fall iſt, das zeigt der Brief, den Stephan III, nach⸗ dem ihm der Heirathsplan bekannt geworden iſt, an die beiden Könige richtet, deutlich genug*), und Abel erkennt dies ſelbſt an, indem nach ihm ja Karlmann den Papſt erſt gewinnen ſoll.) Wir ſehen, Abel bewegt ſich in einem Zirkel: die Rückſicht auf des Papſtes Vortheil veranlaßt Karlmann auf die Pläne ſeines Bruders einzugehen, und Karlmann ſelbſt ſoll den Papſt wieder für dieſe Pläne gewinnen. Aber man könnte einwenden, Karlmann habe ſich über die Wünſche des Papſtes getäuſcht, er habe wirklich im Intereſſe des Papſtes zu handeln geglaubt, indem er auf die Vorſchläge ſeiner Mutter einging; doch auch dann wäre die Sache durchaus nicht erklärt. Es wird ſchwerlich jemand Abel beiſtimmen, daß Karlmann aus bloßer Freund⸗ ſchaft für den Papſt wegen einer dieſem erwieſenen Gefälligkeit nicht nur ſeinen langjährigen Groll gegen ſeinen Bruder aufgegeben, ſondern nach Abel ſich dieſem ſo vollſtändig in die Arme geworfen habe, daß er die politiſchen Pläne deſſelben ſogar ſelbſtthätig zu unterſtützen bereit geweſen ſei. Dafür wäre es nöthig, bei Karlmann eine ſolche Hingebung an den Stuhl Petri anzunehmen, die ihn ſeinem eigenen Vortheil gegenüber den Wünſchen des Papſtes hintanſetzen ließ; dieſe Richtung deſſelben hat aber Abel ſelbſt nicht nachzuweiſen unternom⸗ men, und es würde ihm dies auch ſchwer geworden ſein, da die ein⸗ zige in dieſer Hinſicht für Karlmann charakteriſtiſche Quellenſtelle eher das Gegentheil annehmen läßt.*)

41) p. 64.

¹) cod. Car. ep. 45, bei Jaffé, Bibl. IV, p. 158 ff. ep. 47.

³²) p. 64.

9) Wir meinen die Stelle aus der vita Hadriani, bei Muratori, Rerum It. Ser. II, 180, I, C., wo Deſiderius den Geſandten Stephans III, die auf Auslieferung