Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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der beiden Brüder zu den italieniſchen Verhältniſſen, die unhaltbar iſt. Die Verſöhnung der jungen Könige durch die Vermittelung ihrer Mutter vor deren Abreiſe nach Italien erklärt Abel folgendermaßen: Karlmann hatte an dem was vorging, das nächſte Intereſſe, war ſchon wegen der geographiſchen Lage ſeines Landes mitten zwiſchen Karls und dem langobardiſchen Reiche durch die enge Verbindung Karls mit Deſiderius aufs unmittelbarſte berührt, ſtand überdem zum Papſte in näheren Beziehungen als Karl, und war daher auch am eheſten im Stande, zu bewirken, daß der Papſt in die neue Ordnung der Verhältniſſe, in die ihm ſelber zugedachte Stellung ſich fügte.¹) Als Reſultat der Zuſammenkunft wird dann angegeben:Die Einigkeit zwiſchen den Brüdern war hergeſtellt, es ſtand nichts mehr im Wege, zum Vollzuge der getroffenen Vereinbarungen zu ſchreiten.²) Da aber fällt nun zweierlei auf: Nach dieſer Stelle erſcheint die Heirath Karls und ſeine Verſöhnung mit Deſiderius als die Hauptſache und die Verſöhnung der Brüder nur als Mittel, um den aus der Heirath möglicher Weiſe entſtehenden Verwickelungen vorzubeugen; das paßt aber nicht zu den oben angeführten Worten Abels:die Hauptſache war die zwiſchen den Brädern erzielte Verſtändigung.¹) Dann aber erklärt Abel in der angeführten Stelle nur, warum Karl und Bertha die Zuſtimmung des jüngeren Bruders zu den beabſichtigten Schritten wünſchten, nämlich, um ihn als Vermittler beim Papſte zu benutzen, durchaus aber nicht, warum Karlmann geneigt war, auf die Wünſche jener einzugehen.

Betrachten wir nämlich zunächſt einmal die eigentliche Grundlage des ganzen von Abel aufgeführten Gebäudes, die Annahme, Karlmann habe zum Papſte in näheren Beziehungen geſtanden als Karl, als feſtſtehend, ſo war allerdings Karlmanndurch die enge Verbindung Karls mit Deſiderius aufs unmittelbarſte berührt, er hatte nämlich das allergrößte Intereſſe, daß jene Verbindung nicht zu Stande kam; denn als Freund des Papſtes mußte er nothwendig ein Feind der Langobarden ſein); mit Karl aber ſtand er auf ſehr geſpanntem Fuße, ſonſt wäre ja gar keine Ausſöhnung nöthig geweſen; eine Ver⸗ 9) Abel, l. c. p. 63. ¹) I. c. p. 64. ³) Abel I. c. p. 53. ) Abel ſagt dies ſelbſt deutlich genug p. 51, wo er die Stellung der beiden Brüder

zu den italieniſchen Verhältniſſen angibt.