Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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Auf Grundlage der Urkunden hat nun in neuerer Zeit Pertz¹) und nach ihm ausführlicher Kroöber), die Theilungslinie genau zu beſtimmen geſucht, wobei ſich herausſtellte, daß auch ein Theil Auſtra⸗ ſiens im engeren Sinne, d. h. des Landes vom Kohlenwald bis zum Gebiet der Sachſen, zu Karlmanns Antheil gehört haben müſſe.*) Nach Kröber zog ſich die Theilungslinie von der Garonne, Aquitanien in eine öſtliche und weſtliche Hälfte theilend, zur unteren Loire, öſtlich von Tours, von da nördlich zur unteren Seine zwiſchen Paris und Rouen, und wendete ſich dann, zunächſt dem Laufe der Oiſe, dann der Nordgrenze der Diöceſe von Trier folgend, öſtlich zum Rhein, den ſie ſüdlich von Mainz erreichte.)

Die von dieſer Linie nördlich und weſtlich gelegenen Länder er⸗ hielt dieſer Annahme gemäß Karl, die im Süden und Oſten, ein⸗ ſchließlich Alamanniens Karlmann, nur daß der erſtere, wie aus zwei von ihm ausgeſtellten Urkunden hervorgeht, auch noch einige Enclaven im Reiche ſeines Bruders hatte.)è)

Der Annahme einer Theilung Auſtraſiens und Neuſtriens ſind nach Pertz und Kröber die meiſten neueren Hiſtoriker beigetretens), nur daß über Baiern, welches bei Fredegar nicht erwähnt iſt, Zweifel bleibt, indem die Einen es unter dem regnum Austrasiorum mitbe- greifen wollen*), während die Anderen annehmen, daß Baiern wegen der ſelbſtändigen Stellung, die es ſeit Taſſilo's Abfall von Pippin einnahm, bei der Theilung ganz übergangen ſei.) Dagegen hat

Großen, Tübingen 1812 p. 21. Eckhart, Commentarii de rebus Franciae orientalis et episcopatus Wirzeburgensis 1729, tom. I p. 600. Martin, Histoire de France, IV ed. Paris 1861, tome II, 251.

*) SS. I p. 147 n. 41.

¹) Kroeber, Partage du royaume des Francs entre Charlemagne et Carolo- man I, in der Bibliothèque de l'Ecole des Chartes, IV serie, 2 vol. 1856.

3) I. c. p. 345.

*) 1. c. p. 347.

³) I. c. p. 346 u. 345. Vgl. Waitz, Verfaſſungsgeſchichte, III, 90 n. 2.

) Warnkoenig et Gérard I, 279; Gérard II, 142. Vor Kröber ſchon: F. H. Müller die deutſchen Stämme und ihre Fürſten 1841, 2. Thl., p. 409. Cichhorn, deutſche Staats⸗ und Rechtsgeſchichte I, 538 n. b.; Rettberg, Kirchen⸗ geſchichte Deutſchlands, Göttingen 1846, I. Bd., p. 423.

) Schon Pertz l. c.; Rudhart, Aelteſte Geſchichte Baierns, 1841, p. 314.

³) Mannert, Aelteſte Geſchichte Bajoariens und ſeiner Bewohner p. 229. Vgl. dagegen Abel, K. d. G. p. 23 n. 1. Daraus, daß Fredegars Fortſetzer Baierns nicht gedenkt, folgt übrigens noch gar nicht, daß es auch Pippin bei der Thei⸗ lung übergangen hatte.