Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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Die Darſtellung Einhards widerſpricht aber hier ſo ſehr allen Ueberlieferungen über die Thätigkeit und allen Urkunden über die Aufenthaltsorte der Könige, daß dieſelbe auch unter den älteren Be⸗ arbeitern der Geſchichte dieſer Zeiten nur wenige Vertheidiger gefunden hat¹), von den neueren aber einſtimmig verworfen wird.²) Auch der Verſuch, die beiden Berichte durch Annahme einer doppelten Theilung vor und nach Pippins Tode zu vereinigen), iſt als verfehlt zu be⸗ trachten, da dieſe Annahme ſowohl beiden Berichten als den ander⸗ weitig überlieferten Thatſachen widerſpricht.*)

Es bildete ſich daher ſchon bei älteren Forſchern die auch heute noch allgemein herrſchende Ueberzeugung, daß die einzige ſolide Grund⸗ lage für eine Unterſuchung über dieſe Frage der Bericht Fredegars ſei. Doch erkannte man bald, daß auch dieſer weder vollſtändig noch ganz genau ſei; es fehlt bei ihm jede Erwähnung Neuſtriens und bei Auſtraſien bleibt es zweifelhaft, was Fredegars Fortſetzer darunter verſteht. Während daher Einige annahmen, daß Neuſtrien mit unter dem Ausdruck regnum Austrasiorum, gleich regnum Francorum, zu begreifen ſei*), haben ſich die Meiſten für eine Theilung des erſte⸗ ren entſchieden, wobei man ſich auf den Umſtand ſtützte, daß in Neuſtrien beide Könige Urkunden ausſtellen, und Privaturkunden nach den Regierungsjahren bald des Einen bald des Anderen datirt werden. ¹)

ad se venire praecepit, ibique una cum consensu Francorum et Procerum suorum, seu et Episcoporum, regnum Francorum, quod ipse tenuerat, aequali sorte inter praedictos filios suos Carolum et Carlomannum, dum adhuc ipse viveret, inter eos divisit. Id est Austrasiorum regnum Carolo seniori filio Regem instituit: Carlomanno vero juniori filio regnum Burgundia, Provincia, Gotthia, Alesacis et Alamannia tradidit: Aqui- taniam, quam ipse Rex adquisierat, inter eos divisit.

¹) Krantzii, Rerum Germanicarum historici etc. Francof. ad. M. MDLXXX lib. II p. 31 u. C. Abel, Teutſche und ſächſ. Alterthümer, Braunſchwaig 1729, 2. Bd., p. 117. Von neueren nur Gfrörer, Allgem. Kirchengeſch. III, 2 p. 577.

²) Vgl. Abel, K. d. G., p. 18; Oelsner's Verſuch, Jahrb. p. 526, dem Ausdruck eine weitere Deutung zu geben, ſ. unten.

³) Daniel, Geſch. v. Frankreich ꝛc., Nürnberg 1756, 2. Thl., p. 236. Calmet, Histoire de Lorraine, t. I p. 507 u. 508.

*) Waitz, Verfaſſungsgeſch. III p. 89 n. 1.

³) Pagi, Critica, III 328 n. 4; Pfiſter, Geſchichte der Teutſchen, 1829 I, p. 240; Bouquet, Recueil V p. 9 B. n. a.; Fauriel, Histoire de la Gaule meri- dionale, Paris 1836, tome III p. 303.

³) Leibnitii, Annales imperii ed Pertz 1838, t. I p. 10. Mabillon, De re diplomatica Suppl., Paris 1709 p. 40; Dippoldt, Leben Kaiſer Karls des