Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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von Karls Geburt anſchloß, ohne ausdrückliche Belege für ſeine An⸗ gabe zu haben), dann aber müßte man annehmen, daß ſchon während Karls Leben oder wenigſtens bald nach ſeinem Tode eine Ueberlieferung beſtand, wonach Karl um das Jahr 747 geboren war. So wenig daher die Translatio als ein beſtimmtes Zeugnis für 747 angeführt werden kann²), ſo fällt ſie doch entſchieden in die Wagſchale gegen die Autorität der Quellenſtellen, die auf 742 oder 43 hinweiſen.

Um ſeine Meinung noch beſſer zu ſtützen führt Oelsner auch einige innere Gründe an, die gegen das Jahr 747 ſprechen ſollen. Er ſagt:Wenn ferner Pippin das Kloſter Aniſola, wie er es 752 unter ſeinen alleinigen Schutz genommen, im Juni 760 zugleich unter den Schutz ſeines Sohnes Karl ſtellt(illustris viri Karoli fllii nostri....), ſo daß Prozeſſe des Kloſters in zweiter Inſtanz vor dieſen zu bringen und von ihm endgültig zu entſcheiden ſind, ſo be⸗ greift ſich dies wohl von einem 18jährigen Thronfolger, aber nicht von einem Knaben von 13 Jahren. Oelsner zieht dann noch die Miſſion Karl's an den Papſt im Herbſt 753, die Betheiligung Karl's und ſeines Bruders Karlmann an der promissio Carisiaca und ihre Krönung durch Papſt Stephan im Jahre 754, endlich den Umſtand, daß Stephanan Beide im Jahre 755 ſeine Hülferufe richtet, heran und nennt alles dieſesMomente, die mit den erſten Kinderjahren ſich nicht vertragen. Wenden wir uns zunächſt gegen die zuletzt angeführten Gründe: Um die erwähnten Handlungen für Karl, wenn er 747 geboren wäre, unglaublich finden zu können, mußte Oelsner auch die einzige Angabe über Karlmanns Geburt(751) ³) alsunſichere chronologiſche Notiz verwerfen*), obſchon dieſe Angabe an ſich die größte Glaubwürdigkeit hat und deshalb auch von allen anderen neueren Hiſtorikern einfach angenommen iſt.³) Liegt

*) Bouquet, Recueil V, 426 E. n. b. ſagt:Monachus de suo dicit, Carolum tunc annos septem natum.*

²) Inſoweit dürfte Abel's Anſicht(p. 10) nach Oelsner(p. 503) zu berichtigen ſein. Einen Widerſpruch gegen die Annahme, daß Karl 747 geboreu ſei, enthält die Erzählung nicht, da man daspuer septennis recht wohl allgemeiner als etwa Tjährig verſtehen kann.

³) annales Petav.(cod. Pet.) a. 751. Pertz SS. I, p. 11Et fuit natus Karolomannus rex.

¹) p. 419.

³) Vgl. Hahn, S. J. I. p. 77, Jahrbücher, Excurs XXVIII p. 242 n. 14. Waitz III, 92 n. 2, 65 n. 2; Abel, K. d. G., p. 11. Ueber die Glaubwürdigkeit der ann. Petav. vgl. oben p. 6 n. 1.