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so recht der Sache hingibt und dann als Folgeerscheinung verspürt, wie er damit den Körper stählt, stark, geschmeidig, elastisch, ebenmäßig, ja schön macht. War nicht dieses Schönen des Körpers schon den alten Griechen ein allen gemeinsames Anliegen!— Aber nicht das allein haben wir hier bei unserem Turnen im Auge. Wie freue ich mich jedesmal, wenn ich herunter auf den Hof komme und da sehe, wie mit aufgerichtetem Kopf und Körper, Brust heraus und Kniee durch, in gleichem Schritt und Tritt, eine Abteilung an mir vorüber oder auf mich zu marschiert, eine Abteilung, in der jeder sich als Glied eines Ganzen verspürt, als Glied, das mit seinem Tun und Lassen, mit seiner Energie oder Schlappheit zugleich teilhat an dem Schicksal des Ganzen, an dessen Gelingen oder Mißlingen. Ja, soll hier etwas Annehmbares herauskommen, so muß sich jeder an seiner Stelle verantwortlich fühlen. Wir haben es also hier mit einer höchsten Steigerung der Energie im Augenblick der Leistung, mit einer höchsten Anspannung aller Kräfte, mit einem höchsten Maß von Aufmerksamkeit und Aufgehen in der Gesamtheit zu tun, das am Ende, wenn alles klappt, auch dem einzelnen wieder die Freude aus den Augen sehen lassen muß. Wo wäre auch der sonst stumpfste Schüler, der solches nicht wohlig zu verspüren vermöchte, ja eigentlich verspüren müßte.— Und wenn wir dann von dieser Gemeinschaft der Schule unsere Augen wieder weiter hinausschauen lassen, über die Grenzen der Schule, des Hauses, der Stadt— bis zu unserer größten Gemeinschaft, dem Vaterland, dann können wir nur den Wunsch hier aussprechen, daß auch später im Leben sich ein jeder von euch allzeit als Glied der großen Gemeinschaft verspüren, daran denken möchte, daß er mit allem, was er tut, auch zugleich allen anderen deutschen Starnmesbrüdern verantwortlich ist. Dann tragt ihr somit, so viel an euch ist, dazu bei, daß es nicht nur schöne Worte sind, nicht nur eitler Schall ist, wenn wir sagen und singen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!—
Dieses unser altes schönes Lied laßt uns jetzt mit einander anstimmen, ehe ihr der Stimme eures Turnwarts folgt.—
Nachdem das Lied vom deutschen Vaterlande gesungen war, begannen die turnerischen Vorführungen, ein allgemeiner planmäßiger Aufmarsch, Keulenschwingen und Kürturnen der vereinigten Turnabteilungen. Überall zeigte sich ein bestes Gelingen, das auf eine zielbewußte, löbliche Arbeit im Turnunterricht schließen ließ. Mit einem kurzen Worte der Anerkennung und des Dankes für das Gebotene, ferner der Aufforderung des Direktors, daß sich die Schüler immer reger auch an den allwöchentlichen Turnspielen auf dem Altaracker beteiligen möchten, und endlich mit Kaiserhoch und Nationalhymne wurde gegen 9 ¼ Uhr die Feier beschlossen. Besonders mag an dieser Stelle erwähnt werden, daß auch ein damals in Frankfurt weilender Franzose zugegen war und mit großem Interesse ohne jedes peinliche Empfinden, wie ich mir sagen ließ, die Vorgänge verfolgte. Möchte doch auch die Teilnahme unseres geehrten Eltern- und Freundespublikums das gute Bestreben der Anstalt weiter in wachsendem Maße unterstützen und damit zur körperlichen Förderung der uns anvertrauten Jugend beitragen. Der Schulhof hat mehr Raum als jede Aula, und wenn die Vollanstalten in der Lage sind, des öftern zu Winter- festen einzuladen, so mõchten wir hier, auch zugleich ganz im Sinne der Behörde, wieder- holt recht herzlich zu unserm Schulfest in der Frühe des zweiten September gebeten haben.
Der Frühlingsausflug fand, vom besten Wetter begünstigt, am 26. Mai statt.
Bei dem Wettturnen der Schüler der höheren Lehranstalten am 18. September trug der Schüler Walther Riechers aus Ib einen Preis davon.
Der Hitze wegen mufßte der Unterricht am 29. Juni, 3. Juli und 3. September von 11 Uhr ab, am 4. September nachmittags und Samstag den 5. September von 11— 12 Uhr ausfallen. Zum Schlittschuhlaufen wurden die Nachmittage des 8. und 26. Januar freigegeben.
Am Nachmittage des 11. Februar von 3—5 Uhr wurde von Herrn Generalvikar Hilpisch aus Limburg im Auftrage des Bischofs der Diözese eine Revision des katholischen Religionsunterrichts an der Adlerflychtschule abgehalten. Zum Schlusse sprach der Prälat seine Befriedigung über das Gehörte aus und richtete darauf eindringliche Worte der


