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Diese Ubersetzung, die schon Gottsched in seinem„Nötigen Vorrat zur Geschichte der dramatischen Dichtkunst“ anführt, ist insofern von Bedeutung, als es der erste Ver- such war, ein Molidresches Stück in Versen, und zwar in gereimten Alexandrinern, wieder-
zugeben. Man kann aber nicht behaupten, daß diese Ubertragung deshalb irgend welchen literarischen Wert hätte.
3. Tartüffe, ein Lustspiel von Molière, neu und frey übersetzt. Aufgeführt auf dem Churfürstlichen Theater zu München. 1784, bey Johann Baptist Strobel. ¹)
Die in Prosa geschriebene Ubersetzung ist wahrscheinlich identisch mit der von Lacroix aufgeführten Nummer 745, die auch zu München und in demselben Jahre, aber bei Fleischmann, erschienen sein soll; es ist mir wenigstens nicht gelungen, die letztere irgendwo ausfindig zu machen. Der anonyme Verfasser dieser UÜbertragung hat einige Anderungen vorgenommen. Die beabsichtigte Heirat Tartüffes mit Orgons Tochter schien ihm überflüssig.„Weil aber eine solche Heurat, als das primum mobile des Stückes, noth- wendig war“, läßt er das Mädchen von einem Vetter Tartüffes heimführen.
4. Der Betbruder. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen. Nach Molier'’s Tartüff frei übersetzt. Berlin, 1787. Bey Johann Friedrich Unger 2).
Auch diese freie Ubersetzung ist in Prosa verfaßt. Den Titel hat die Ubersetzerin, Friederike Helene Unger, als Gegenstück zu Gellerts„Betschwester“ gewühlt. Die Personen haben deutsche Namen, und die Handlung geht in Deutschland vor sich.
5. Der Heuchler. Lustspiel in 5 Akten aus dem Französischen von Molière. Wien, Wallishausser, o. J. 4
Die Übersetzung soll nach Lacroix 1810 erschienen sein; ich habe ihrer nirgends habhaft werden können.
6. Muffel oder der Scheinheilige. Ein Lustspiel in 5 Akten nach Molières Tar- tüffe, bearbeitet von Nicolay. Wiburg 1819.
Diese Bearbeitung, die in vier-, fünf- und sechsfüßigen Jamben mit alternierenden Reimen geschrieben ist, hat zum Verfasser den Freiherrn Ludwig Heinrich von Nicolay (1737— 1820). Wie bei allen„Bearbeitungen“ dieser Art ist auch hier die Handlung nach Deutschland verlegt.
7. Tartüf. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen von J. B. Poquelin von Molière, über- setzt von Dr. W. A. Langenbeck. Zwickau und Leipzig. 1821.(Band 3 der Taschen- pibliothek der ausländischen Klassiker, in neuen Verdeutschungen.)
Hier haben wir es mit einer ziemlich treuen Ubersetzung in gereimten Alexan- drinern zu tun, die aber von solcher Steifheit sind, daß einem die Lektüre schon nach der ersten Scene verleidet wird.
8. Tartüffe oder der Scheinheilige. Lustspiel in 5 Aufzügen von Molière. Berlin o. J.
Der Verfasser dieser Übertragung, die als 95. Lieferung des Bühnenrepertoires des Auslandes(Berlin, 1837— 45) erschienen ist, heißt L. W. Bothe. Seine Arbeit ist billige Marktware.
¹) Kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München.
²) Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg.


