Triss. Das Fieber schont nicht Rang noch Stand. Legt frech sogar an Dich die Hand,— Phil. Arm. Ahl— Bel. Triss. Und wagt, Dich Tag und Nacht zu kränken; Drum faß es, folge meinem Rath, Um es im nächsten warmen Bad Mit eignen Händen zu ertränken. Phil. Wir sind berauscht! Bel. lch kann nicht mehr. Arm. Mir schwindelt!
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Triss.„Er fragt nach deinem Range nicht,
Schont deine rote Wange nicht...“ Phil., Arm., Bel. Ah!
Triss.„Verfolgt dich Tag und Nacht Und übt so lang Tyrannenthat, Bis du in einem Wannenbad Ihn meuchlings umgebracht.“ Phil. Zu viel! Bel. Man schwelgt. Arm. lch sterbe vor Vergnügen.
II. Übersetzungen einzelner Stücke.
Außer den Gesamt- und Teilübersetzungen Molières sind noch zahlreiche Uber- tragungen einzelner Stücke erschienen. Ihr literarischer Wert ist mit wenigen Ausnahmen nicht besonders hoch anzuschlagen. Meistens sind sie als Versuche aufzufassen, auf die im Falle des Erfolges sicherlich Fortsetzungen gefolgt wären. Der bibliographischen Vollständig- keit halber seien auch sie im folgenden aufgeführt und kurz besprochen. Die dabei ein- zuhaltende Reihenfolge soll sich nach der Häufigkeit der Übersetzungen jedes einzelnen Stückes richten, und bei den UÜbertragungen eines und desselben Stückes mag ihre zeitliche
Entstehung den Ausschlag geben.
Tartuffe.
Am zahlreichsten sind die Einzelübersetzungen des Tartuffe. Diese Tatsache steht wohl damit im Zusammenhang, daß er von allen Stücken Molières dasjenige ist, das am häufigsten auf der deutschen Bühne gespielt wird. Es sind folgende Einzelübersetzungen
von ihm erschienen:
1. Der Mucker oder Molierens scheinheiliger Betrüger Tartüffe. Breslau und
Leipzig, Daniel Pietsch, 1748.¹)
Diese Ubersetzung ist in Prosa abgefaßt,„weil es dem Charakter der Personen, die in Person reden, nachtheilig ist, wenn sie Poesie denken.“ Bierling hat sie gekannt und benutzt. Er äußert sich im„Vorbericht“ folgendermaßen über sie:„Den Tartüffe, welcher vor wenig Jahren zu Breßlau im Druck erschienen, haben wir bey unserer Ubersetzung zwar zum Grunde gelegt, aber kaum die Hälfte davon behalten können, weil der wahre Verstand des Originals nur selten rein ausgedrückt worden, auch die deutsche Schreib-Art allzu sehr nach der französischen, und nach den poetischen Ausdrücken schmeckt, zuweilen auch allzu tief sinket.“ Dieser Kritik ist weder im guten noch im schlechten Sinne etwas
hinzuzufügen.
2. Der Mucker oder scheinheilige Betrüger. Ein Lustspiel in Versen und fünf Aufzügen von Erdmann Christoph Beneke. Leipzig und Frankfurt, Joh. Christ. Kleyb, 1756.²)
¹) Befindet sich auf der Kgl. Bibliothek zu Berlin.
²) Kgl. Bibliothek zu Stuttgart.


