Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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Weise gradezu als herrlich; und Ehrhard sagt in seinem bereits mehrmals angeführten Buch S. 351 wörtlich:C'est un véritable plaisir, mame pour un Français, de lire Molière dans la langue de Baudissin; il nous semble voir notre poète revéètu d'un costume nouveau qu'il porte avec infiniment de grâce et de désinvolture.

Die Vorzüge der Baudissinschen Ubersetzung bestehen in erster Linie darin, daß der Sinn des Originals in gewissenhafter und klarer Verdeutschung wiedergegeben ist. In dieser Hinsicht muß die Ubersetzung als eine im hohen Grade treue bezeichnet werden. Leider aber droht dieser Vorzug manchmal ins Gegenteil umzuschlagen. Es will uns scheinen, als wenn Baudissin sich öfter mit allzu großer Angstlichkeit an die sprachliche Form des französischen Textes halte und dadurch den Geist unserer eignen Sprache opfere. Was seine Ubersetzung aber ferner auszeichnet, ist die Tatsache, daß in den versifizierten Stücken seine Verse durchaus ungezwungen sind und somit die Sprache eines gewissen Flusses nicht entbehrt.

Die merkwürdige Reihenfolge der von Baudissin übersetzten Stücke erklärt sich daraus, daß er anfangs nur die Meisterwerke Molières übertragen wollte und sich erst später dazu entschloß, auch seine übrigen Stücke zu verdeutschen. Daher finden wir in

Bd. I: Die Schule der Ehemänner Die Schule der Frauen Der Misanthrop Tartüffe Die gelehrten Frauen.

Bd. II: Der Zwist der Verliebten Die Kostbaren Die Lästigen Die Kritik der Frauenschule Das Impromptu von Versailles Die erzwungene Heirath Don Juan Der Liebhaber als Arzt.

Bd. III: Der Geizige George Dandin Der bürgerliche Edelmann Die Gräfin von Escarbagnas Der eingebildete Kranke.

Bd. IV: Der Unbesonnene, oder es ist ihm nicht zu helfen Sganarelle, oder der Hahnrei in der Einbildung Der Arzt wider Willen Der Sicilianer, oder der Liebhaber als Maler Amphitryon Herr von Pourceaugnac Scapin's Schelmenstreiche.

Eine Probe der Baudissinschen Übersetzung werden wir bei Besprechung der

Fuldaschen Ubertragung geben.

10. Die Ubersetzung von Schröder.

Es ist so gut wie selbstverständlich, daß eine Molière-Ubersetzung in der Reclamschen Universalbibliothek nicht fehlen darf. Fast ebenso selbstverständlich ist es aber auch, daß wir bei den vielen schlechten und wenigen guten Ubersetzungen, die uns dieser Verlag schon beschert hat, keine gute oder gar vortreffliche UÜbertragung Molidères erwarten dürfen, denn für Durchschnittsübersetzer, wie sie in dieser Universalbibliothek gewöhnlich zu Wort kommen, ist Molière nicht grade der geeignetste Wirkungskreis.

Molière's sämmtliche Werke in zwei Bänden. Herausgegeben von EF. Schröder. Eingeleitet von Prof. Dr. Heinrich Theodor Rötscher betitelt sich das Reclamsche Verlags- werk, das zuerst im Jahre 1871 erschienen ist und seiner Billigkeit wegen sicherlich große Verbreitung gefunden hat.

Außer der Herausgeberin Emilie Schröder, die hauptsächlich die Verskomödien übertragen hat, haben Malwine Gräfin Maltzan und Auguste Cornelius sich in die Arbeit geteilt. Die Alexandrinerstücke sind nach dem erfolgreichen Vorgange Baudissins im