Gang und seinen zahllosen Flickwörtern zur Wiedergabe eines Molièreschen Lustspiels nicht geeignet ist. Die erste Umarbeitung nahm er an dem„Tartuffe“ vor, der in dieser veränderten Form im Jahre 1878 im Druck erschien und bald darnach auf der Oldenburger und Stuttgarter Bühne mit Erfolg aufgeführt wurde. Der Beifall veranlaßte ihn, dieselbe Arbeit an dem„Misanthrope“ und den„Gelehrten Frauen“ vorzunehmen und sie auch auf „Die Schule der Frauen“,„Die Schule der Männer“ und„Sganarelle, Der Betrogene in der Einbildung“ auszudehnen. Diese sechs Stücke veröffentlichte er dann im Jahre 1880 unter dem Titel:„Ausgewählte Lustspiele von Molière. In fünffüßigen, paarweis gereimten famben übersetzt von Adolf Laun. Mit Molière's Portrait nach dem Original von Mignard. Leipzig, Wilhelm Friedrich.“
Es ist nicht zu verkennen, daß in dieser neuen Bearbeitung die Ubersetzung an Kürze und Straffheit des Ausdruckes wesentlich gewonnen hat und sich in dieser Form auch dem Originale viel enger anschließt, als es in dem steifen und zopfigen Alexandriner der Fall war. Eine kleine Probe aus den„Gelehrten Frauen“(V, 1) wird das deutlich erkennen lassen und zugleich zeigen, daß die ganze Tätigkeit des Ubersetzers bei der Umarbeitung sich zum größten Teile nur darauf erstreckte, die alten Alexandriner um zwei
Silben zu kürzen: Philaminthe und Armande.
Armande. Ja, kein Ermahnen hat den Widerstand gebrochen, Und ihr Gehorsam dient ihr nur, um drauf zu pochen; Bevor sie noch von mir darum gebeten war, Legt' ihres Herzens Wunsch sie mir ganz offen dar, Des Vaters Wille liegt ihr weniger am Herzen,
Als sie die Hoffnung freut, dich, Mutter, könnt' es schmerzen.
4 Philaminthe.
lch werd' ihr zeigen, wem zu folgen sich gebührt,
Wer von uns Beiden hier im Haus die Herrschaft führt: Ob Körper oder Geist, ob Unsinn oder Sinn,
Und wenn er Vater ist, ob ich nicht Mutter bin.
Armande. Gewiß war's ihre Pflicht, vor Allem dich zu fragen; Auch find' ich'’s unerhört, wie sich der Herr betragen,
Und daß er dir zum Trotz sich macht zum Schwiegersohn.
Philaminthe.
Noch ist er's nicht, wenn er auch glaubt, er sei es schon. 8
Ich sah ihn gern, so lang er Huldigung dir brachte, Obwohl sein Wesen mir nicht viele Freude machte.
Er weiß es längst, daß ich mit Schreiben mich beſfasse, Doch bittet er mich je, daß ich was hören lasse?
Philaminte. Armande.
Armande. Nichts hat bei ihr den Widerstand gebrochen, Auf den Gehorsam weiß sie stets zu pochen, Sie legte ihren Wunsch ganz offen dar, Bevor sie noch darum gebeten war, Des Vaters schien sie wen'ger zu gedenken, Als daß sie hoffte, Dich dadurch zu kränken.
Philaminte. Ich zeig' ihr, wem zu folgen ihr gebührt, Und wer von uns im Haus das Scepter führt. Geist oder Körper, Unsinn oder Sinn, Und wenn er Vater, daß ich Mutter bin.
Armande. Sie mußte wenigstens zuvor Dich fragen; Unglaublich, wie Clitander sich betragen! Er macht sich Dir zum Trotz zum Schwiegersohn.
Philaminte. Noch nicht, wenn er auch glaubt, er sei es schon; Er war mir recht, als er noch um Dich warb, Wenn er'’s auch manchmal schon mit mir verdarb. Er weiß, daß ich mit Schreiben mich befasse, Und bittet nie, daß ich was hören lasse.
9. Die Übersetzung von Baudissin.
Wir kommen zu einer Übersetzung, die von den Literarhistorikern seit jeher viel gepriesen worden ist, aber trotzdem nur wenig gelesen und noch weniger gekauft wird. Wir meinen:„Molière’s Lustspiele übersetzt von HWolf Grafen Baudissin. 4 Bände. Leipzig, Hirzel, 1S65— 1867.


