Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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Mad. Pernelle-. Du bist ein Narr, mit vier Buchstaben gesagt, mein Sohn; das sage ich Dir. Deine Groß- mutter; und hundert Mal habe ich meinem Sohne, deinem Vater prophezeit, daß Ihr Alle nichts taugt und ihm nur Kummer machen werdet.

Marianna. Ich glaube

Mad. Pernelle. Mein Gott, Du, seine Schwester, spielst die Bescheidene, die heilige Rührmichnichtan, so sittsam scheinst Du; aber es heißt: Stille Wasser sind tief, und Du führest heimlich ein Leben, das ich von Herzen hasse.

Elmire. Aber, Mutter

Mad. Pernelle. Aber Schwiegertochter, nehmen Sie es mir nicht übel, Ihre eigene Aufführung taugt nichts...

8. Die Übersetzung von Laun.

Einen großen Fortschritt gegen die bisherigen Molière-Ubersetzungen zeigt die von Adolf Laun. Der Übersetzer war für seine Aufgabe besonders geeignet, da er mit seinem dichterischen Talent eine gründliche philologische Kenntnis Molières vereinigte. Seine deutschkommentierte Molière-Ausgabe mit Einleitungen und Exkursen(Leipzig 1873 1885) gehört noch heute zu dem Besten, was die deutsche Molière-Literatur hervor- gebracht hat.

Das erste Molièresche Stück, das Laun ins Deutsche übertrug, waren:Die Ge- lehrten Frauen. Lustspiel in 5 Aufzugen von Molière, ins Deutsche übertragen mit Ein- leitung und Noten von A. Laun. Bremen, Schünemann 154. Ein Jahr darauf erschien: Der Tartäff. Lustspiel in 5 Aufzügen von Molière, im Versmauaß des Originals übertragen mit Finleitung und Commentar von d. Laun. Oldenburg, Schmidt, 1855. LZehn Jahre später veröffentlichte er dann seine erste Sammelübersetzung unter dem Titel:Molière's Charakter-Komödien. Im Versmaaße des Originals übertragen von A. Laun. Hildburg- hausen, Bibliographisches Institut, 1865. Diese Ubersetzung, die später vom Bibl. Institut, (Leipzig und Wien) noch öfter ohne Jahresangabe aufgelegt wurde, enthält den Misanthrop, den Tartüff und die gelehrten Frauen.

Laun wollte in seiner Übersetzung die nationalen und persönlichen Eigenheiten des Dichters in Inhalt und Form möglichst treu bewahren. Er hat daher den Alexandriner, obwohl er wußte, daß dieser Vers bei uns in großem Mißkredit steht, in seiner ganzen Strenge(mit männlicher Cäsur und Vermeidung des Enjambements) beibehalten. Auch den Reim, den er in seiner Ubersetzung einiger Dramen von Racine und Corneille opferte, glaubte er hier nicht preisgeben zu dürfen; denn der Reim ist nach seinen eigenen Worten für diese Gattung komischer Poesie im höchsten Grade bedeutsam, weil auf ihm der Angelpunkt des Gedankens ruht und weil er die Pointen der Rede, der Sentenz und des Wortgefechtes am besten zur Geltung bringt.

Im Vergleich zu den versificierten Übersetzungen der Laxschen Sammlung steht die Ubertragung von Laun unbestritten auf einer höheren Stufe; ja ich stehe nicht an, sie unter allen den in Alexandrinern wiedergegebenen Verdeutschungen als die beste hin- zustellen, die wir haben.

Später, als Baudissin seine Ubersetzung in Blankversen veröffentlicht hatte und damit so viel Erfolg erzielte, konnte Laun nicht dem Drange widerstehen, seine Uber- tragung in fünffüßige, aber gereimte, Jamben umzuarbeiten. Er hatte inzwischen auch wohl eingesehen, daß der deutsche Alexandriner mit seiner Monotonie, seinem schleppenden