Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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schnittsware zu tun, wie sie besonders in der Gegenwart auf den Büchermarkt kommt. Eine kleine Probe aus der von Duller verfaßten Tartuffe-Ubersetzung(I, 4) wird unser Urteil bestätigen:

Damis.

Berühren Sie die Saite

Von meiner Schwester Glück! Ich fürchte, es verleite Tartüffe den Vater, daß er stets auf Ausflucht sinnt; Auch scheint mir, daß Tartüffe sein eig'nes Plänchen spinnt. Sie wissen ja, wie sehr bei Marianens Glücke Ich selbst beteiligt bin;'s ist meines eignen Brücke, Die Schwester ist's Valer's, die ich im Herzen trag', Und also

Cleant.

Still! Er kömmt!

7. Die Übersetzung von Alvensleben.

In demselben Jahre wie die eben besprochene Gesamtübersetzung erschien noch eine Teilübersetzung von L. v. Alvensleben, der bereits für das Sammelwerk von Lax den Don Juan ins Deutsche übertragen hatte. Seine Ubersetzung führt den Titel:Molière's dramatische Meisterwerke. In Einem Bande. Ubersetzt von L. v. Alvensleben. Leipzig, Georg Wigand's Verlag. Sie enthält 6 Stücke und zwar: Tartüff Der Geizige Der Menschenfeind Schule der Männer Schule der Frauen Die gelehrten Weiber. Mit Ausnahme des Geizigen bringt sie also die bedeutendsten Verskomödien des Dichters, giebt sie aber nicht in Versen, sondern sämtlich in Prosa wieder. Nach Tycho Mommsen, der in seinem BuchDie Kunst des deutschen UÜbersetzers aus neueren Sprachen (Leipzig 1858) drei Arten der Nachbildung unterscheidet, hätten wir es hier mit einer stillosen Ubersetzung zu tun, da der fremde Inhalt weder in der Form der Dichtung noch in einer analogen wiedergegeben ist. Doch nicht genug damit, selbst die Prosa, die uns der Übersetzer bietet, ist ziemlich stillos. Im Vergleich zu seiner Ubertragung steht sogar die Bierlingsche, die doch beinahe 100 Jahre älter ist, auf einer ungleich höheren Stufe. Der Leser wird sich selbst davon überzeugen, wenn er den Anfang des Tartuffe in dieser Verdeutschung liest:

Mad. Pernelle. Fort, Flipote, fort; daß ich mich von ihnen befreie.

Elmire. Sie gehen so schnell, daß man ihnen kaum folgen kann.

Mad. Pernelle Lassen Sie es gut sein, Schwiegertochter; bemühen Sie sich nicht weiter; ich bedarf Ihrer Complimente nicht.

Elmire. Ihnen wird nur, was Ihnen gebührt; aber liebe Mutter, woher kommt es denn, daß Sie uns so schnell verlassen?

Mad. Pernelle. Weil ich diese Wirthschaft nicht länger mit ansehen kann; mir zu gefallen gibt man sich keine Mühe. Ich verlasse euch sehr unzufrieden. Allen meinen Lehren wird widerstrebt; man achtet nichts; Jeder spricht laut, und es geht zu, wie am Hofe des Königs Petaud.

Dorine. Wenn

Mad. Pernelle. Sie sind, meine Liebe, ein Dienstmädchen, das den Mund etwas zu sehr vorne weg hat,

sehr dummdreist ist und es sich einfallen läßt, über Alles mitzusprechen. Damis. Aber