der der Schützling und Ruhmredner Ludwigs XIV. gewesen war. Eine Generation, die bei Fichte, Arndt und Jahn in die Schule gegangen war, konnte nun und nimmer mit den literarischen Erzeugnissen eines Landes sympathisieren, das ihr in der tiefsten Seele ver- haßt war. Da mußten Jahrzehnte vergehen, ehe die flammenden Wogen nationaler Er- regung sich wieder soweit beruhigt hatten, daß man den Werken des„französischsten aller französischen Dichter“ wieder die Beachtung zu teil werden ließ, die ihnen von Rechts wegen gebührt.
Louis Lax, der 1872 verstorbene Redakteur der Aachener Zeitung, hat das Ver- dienst, nach dieser langen Periode des Stillstandes zuerst wieder eine vollständige Uber- setzung Molières in die Wege geleitet zu haben. Das fünf Bände umfassende Werk er- schien im Jahre 1837 und 1838 unter dem Titel:„Molière's sämmtliche Werke. Ubersetzt von L. Braunfels, F. Demmler, E. Duller, F. Freiligrath, W. von Lüdemann, M. Runkel, E. Weyden, O. L. B. Wolff, I. Lax u. A. Herausgegeben von Louis Lax. Aachen und Leipzig, Verlag von facob Anton Mayer.“(1837).
Der auf dem Titelblatt als Mitarbeiter verzeichnete Dichter Ferdinand Freiligrath hat an dieser Ubersetzung keinen Teil, da er, wie es zur Entschuldigung am Schlusse des 5. Bandes heißt,„durch Verhältnisse abgehalten war, den von ihm versprochenen Beitrag zu liefern“. Dafür haben vier andere auf dem Titelblatt nicht genannte Mitarbeiter zu dem Werke beigetragen, nämlich Ph. Ad. Anderer, G. v. Hohenhausen, L. v. Alvensleben und der bekannte Literarhistoriker Heinrich Viehoff, der auch eine„Gesamtübertragung von Racines Werken“ veröffentlicht hat.,
Die meisten Stücke dieser Ubersetzung hat der Herausgeber beigesteuert, nämlich 12 an der Zahl, und zwar sind es hauptsächlich die prosaischen Stücke. Von den Vers- komödien hat W olff die meisten übertragen(6); 3 andere rühren von Viehoff und 2 von Duller her; die übrigen Mitarbeiter haben je ein Stück beigetragen.
Die Verskomõdien sind in dieser Übersetzung durchgehends in gereimten Alexan- drinern wiedergegeben worden. Die Übersetzer haben sich bei diesem Versmaße aber die weitgehendsten Freiheiten gestattet; denn bald lassen sie den dritten Fuß männlich, bald weiblich ausklingen, und zuweilen wenden sie sogar gereimte Trimeter ohne Caesur in der Mitte an. Dazu kommt, daß auch sonst infolge der verschiedenartigen Befähigungen der Verfasser von einer Gleichmäßigkeit hinsichtlich des Wertes der einzelnen Ubersetz- ungen nicht die Rede sein kann. Wenn man von der Kardinalfrage absieht, ob Molières Verskomõödien überhaupt durch deutsche Alexandriner gut wiedergegeben werden können, so scheint mir unter diesen zwölf Ubersetzern Heinrich Viehoff seine Aufgabe noch am besten gelöst zu haben, obwohl ihm gerade die Ubertragung von drei weniger bedeutenden Stücken(Psyche, Melicerte und Komisches Schäferspiel) zugefallen war. Die Verdeut- schungen der übrigen Verskomöõdien sind größtenteils als verfehlt zu bezeichnen. Zu be- dauern ist nur, daß Ferdinand Freiligrath von der Mitwirkung an diesem UIbersetzungs- werke abgehalten wurde; denn es wäre doch sehr interessant gewesen zu sehen, wie grade er als anerkannter Meister der UÜbersetzungskunst sich mit der Wiedergabe eines Molière- schen Stückes abgefunden hätte, um so mehr als er auch sonst verschiedentlich versucht hatte, den Alexandriner in der deutschen Poesie wieder zu Ehren zu bringen.
Auch von den Übersetzungen der in Prosa geschriebenen Stücke läßt sich nichts Rühmenswertes sagen. Im großen und ganzen haben wir es hier mit einer billigen Durch-


