Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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4. Die Übersetzung von Meifsner und Mylius.

Nach Bierling gingen Meißner und Mylius mit dem Gedanken um, den ganzen Molière ins Deutsche zu übertragen. Sie kamen aber mit ihrem Unternehmen, das ein Gegenstück zu ihrem schon früher veröffentlichtenDestouches für Deutsche bilden sollte, nicht über den ersten Band hinaus. Entsprechend dem eben genannten Werke führte auch dieses den Titel: Molière für Deutsche. Herausgegeben von August Cottlieb Meiſner und Withelm Christoph Sigmund Mylius. Leipzig, Weygand, o..(1780). Dieser erste und letzte Band ihrer UÜbersetzung enthält einen Vorbericht und die erzwungene Heirat von Meißner, den Geizigen, die Männerschule, eine Biographie und zwei lange Beurteilungen des Geizigen und der Männerschule von Mylius.

Wir haben es hier mit einer ziemlich freien Ubersetzung der genannten drei Stücke zu tun. Den Wert der von ihm übersetztenFarce hält Meißner fürziemlich mittelmäßig.Er sei aber mit der Ubersetzung zweier größerer Stücke, desMisanthropen und desDon Juan noch nicht fertig gewesen und habe deshalb den ihm zur Verfügung gebliebenen Raum mit jenem kleinen Lustspiel ausgefüllt, das schon seit Jahren in seinem Pulte lag.

In seinen ausführlichen Beurteilungen des Geizigen und der Männerschule be- schäftigt sich Mylius sehr eingehend mit Cailhava, dem französischen Kommentator Molières. Viele der hierbei geäußerten Ansichten veranlaßten Meißner in dem Vorbericht zu der Bemerkung, daß sein Urteil über Dichter, Kritiker, Sprache und Behandlung und das des Mylius ziemlich auseinander gingen, denn er denke von Cailhava durchaus nicht so günstig wie Mylius. Man geht vielleicht nicht fehl, wenn man annimmt, dat infolge dieser Meinungsverschiedenheiten der beiden Verfasser die Fortsetzung Ihres Werkes vereitelt wurde.

5. Die Übersetzung von Zschokke.

Der nächste, der Molière für Deutschland zu gewinnen suchte, war Heinrich Zschokke. Sein Werk führt den Titel: Molieres Lustspiele und Possen. Für die deutsche Bühne von Heinrich Zschoe. Zürich, bei Heinrich Geßner, IG605 1&10, 6 Bände. Die fünf ersten Bände sind mit je einem Kupferstich von IH. Lips in der Art Chodowieckis geschmückt.

Wie man schon aus dem Titel entnehmen kann, handelt es sich hier weniger um eine Übersetzung als um eine Bearbeitung für die deutsche Bühne. In der Vorrede sucht, der Verfasser auseinander zu setzen, warum uns Deutschen mit einer bloßen Ubersetzung nicht gedient sein kann:Französische Sitte, Ton und Brauch waren von jeher so sehr von deutscher UÜbung verschieden, daß eine treue, wörtliche Ubersezzung Molieres, weder ein vorzügliches Geschenk für Leser, noch für Bühnen war. Das höhere Trauerspiel, indem es mehr idealisirt, und Stoffe behandelt, welche im allgemeinen die ganze gebildete Menschheit anziehn, kann daher in buchstäblichen Ubersezzungen, auch nach manchen Jahrhunderten den verschiedensten Völkern gefallen, nicht so ist es mit dem Lustspiele, welches sich mehr der vorhandenen Wirklichkeit anschließt, und über gewisse Eigenheiten