Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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Alc. Phil. Alc.

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Schmeicheleyen überhäufen. Sie erweisen ihm alle mögliche Zärtlichkeit, und vergrößern die Wuth ihrer Umarmungen durch Freundschafts-Versicherungen und Schwüre. Und wenn ich hernach frage, wer dieser Mensch ist, so können sie mir ja wahrhaftig kaum seinen Namen nennen. So bald er weg ist, ist alle ihre Hitze dahin; und gegen mich thuen sie, als wenn er ihnen ganz gleichgültig wäre. Zum Henker! das ist eine schändliche, niederträchtige und ehrvergessene Weise, sein Herz so zum Lügner zu machen. Und wenn ich jemals so unglücklich wäre, es eben so zu machen, so ginge ich, aus Ver- zweiflung, und erhenkete mich am ersten, am besten Baume, den ich fände.

Ich, für meine Person, sehe doch eben nicht, daß die Sache henkenswert wäre; und ich wollte wohl bitten, mir nicht übel zu deuten, daß ich ein wenig gelinder mit mir verfahre, und mich deßwegen noch nicht erhenke.

O!l der Spaaß war übel angebracht!

Aber, recht im Ernste zu reden: wie soll man sich denn verhalten?

Aufrichtig soll man seyn, und als ein ehrliebender Mensch kein Wort vorbringen, das nicht aus dem Herzen kömmt.

Wenn aber ein Mensch zu mir kömmt, und mich mit Freuden umarmet, so muß ich ihn ja wohl mit gleicher Münze bezahlen. Ich muß, so gut ich kann, seine Höflichkeiten beantworten, und ihm meine Dienste für seine Dienste, und meine Versicherungen für seine Versicherungen anbieten.

Nein, ich kann diese niederträchtige Art unmöglich leiden. Ich weiß wohl, daß die meisten Welt-Leute sich recht mit Fleiß darnach bestreben; aber ich hasse nichts mehr als die lächerlichen Verzückungen aller solcher Complimenten-Krämer, die mit ihren leichtsinnigen Umarmungen, und mit ihrem unnützen Geschwätze so freygebig sind; die es in der Höflichkeit allen Menschen zuvorthun wollen, und die dem ehrlichsten Manne und dem größten Narren auf einerley Art begegnen. Was Henker habe ich davon, daß ein Kerl freundlich mit mir thut; daß er mir seine Freundschaft, seine Treue, seinen Diensteifer, seine Hochachtung und Zärtlichkeit zuschwöret; daß er mich aufs prächtigste herausstreichet; wenn er dem ersten Schurken, der ihm begegnet, entgegen läuft, und es ihm eben so macht? Nein, nein! wer nur einen rechtschaffenen Tropfen Bluts im Leibe hat, der begehrt eine so verunehrete Hochachtung nicht; und der vornehmste Mann erzeigt mir eine sehr schlechte Ehre, wenn er mich mit dem ganzen mensch- lichen Geschlechte in einen Klumpen wirft. Die Hochachtung muß sich auf einigen Vorzug gründen, und man ehret nichts, wenn man die ganze Welt ehret. Weil sie nun auch mit diesem Laster unserer Zeit angesteckt sind, so sind sie auch nicht mehr der Mann, der sich für mich schicket. Ich bedanke mich für die weitläufige Gefälligkeit eines Menschen, der nicht den mindesten Unterschied zwischen Verdiensten macht. Ich will von andern unterschieden seyn, und kurz zu sagen: der Jedermanns-Freund ist mein Mann nicht.

Aber, wenn man doch in der Welt lebet, so muß man ja allerdings gewisse äußerliche Höflichkeiten mit- machen, die der Gebrauch mit sich bringet.

Nein, sage ich ihnen. Man sollte diesen schimpflichen Kram aller äußerlichen Freundschaften ohne Barm- herzigkeit bestrafen. Ich will, daß man menschlich handle, und daß unsere Reden bey aller Gelegenheit das Herz bis auf den Grund zeigen. Dieses muß reden, und unsere Gesinnungen müssen niemals unter eitelem Wortgepränge verkappt seyn.

Es giebt doch aber viele Gelegenheiten, wo eine ganz vollkommene Freymüthigkeit lächerlich und un- erlaubt wäre. Und gewiß, ihre strenge Ehrlichkeit mag davon sagen, was sie will, so ist es doch zu- weilen sehr gut, das Innerste des Herzens zu verbergen. Wäre es wohl dienlich und dem Wohlstande gemäß, unzähligen Menschen alles zu sagen, was man von ihnen denkt? Und wenn jemand uns verhaßt ist, oder uns mißfällt: muß man es ihm denn gleich ins Gesicht sagen?

Ja wohl.

Was? Sie wollten der alten Aemilie unter die Augen sagen, daß es sich für ihr Alter nicht schickt, schön zu thun; und daß ihre Schminke allen Menschen ärgerlich ist?

Ohne allen Zweifel.

Und dem Dorilas, daß er zu unverschämt ist? und daß von seinen ewigen Erzählungen seiner Helden- thaten dem ganzen Hofe die Ohren wehe thun?

Allerdings.

Ol sie scherzen.

Ich scherze nicht, und....