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Cavalier“ hat helfen lassen. Derselbe Cavalier hat aus Mitleid für den Molièreschen Misanthropen es auch unternommen, dem Meisterwerk des Dichters einen anderen Schluß zu geben. Die französischen Verse dieses Molière-Verbesserers hat der Ubersetzer auf S. 41 ff. seiner„Nachricht von Molièrens Leben und Schriften“ zum Abdruck gebracht. Sie sollen. wie es scheint, der Nachwelt nicht verloren gehen. Wegen der Seltenheit der Hamburger Ubersetzung hat sie Humbert im Molieériste(1879, S. 122) und Ehrhard in seinem Buche „Les Comédies de Molière en Allemagne“(S. 170 f.) der Gegenwart wieder zugänglich gemacht. Nach dem alten Lustspielrezept, daß beide sich zum Schluß kriegen, werden Alceste und Célimène hier ein glückliches Paar. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben wir in dem„deutschen Cavalier“«, der diese gemütliche Lösung zustande gebracht hat, den westfälischen Baron von Baar zu sehen, der seine übrigen französischen Verse im Jahre 1750 zu London unter dem Titel„Epitres diverses sur des sujets différents“ erscheinen ließ.
Wie bereits erwähnt wurde, enthält die UÜbersetzung auch eine„Nachricht von Molièrens Leben und Schriften“. Sie folgt auf den Vorbericht und ist 60 Seiten lang(S. 15— 75). Claas Humbert in seinem Buch„Deutschlands Urteil über Molière“(Oppeln 1883) hat sie irrtümlicherweise für ein selbständiges Werk des Übersetzers gehalten; in Wirklichkeit ist sie aber nichts anderes als eine Ubersetzung von La Serre's:„Mémoires sur la vie et les ouvrages de Molière“, die sich in der französischen Quartausgabe von 1734 finden.
Die Hamburger Ubersetzung hat unter den deutschen Molière-Übersetzungen eine ziemliche Rolle gespielt. Ganz abgesehen davon, daß nach 17 Jahren ein verbesserter Neudruck erschienen ist unter dem Titel:„Des Herrn Molière sämmtliche Lustspiele. Nach einer sorgfältigen Ubersetzung. Zweite sehi verbesserte Ausgabe. Mit Kupfern. Hamburg, bei Christian Herolds Hſitweſ, 1769.“— hat sie in neuerer Zeit sogar eine Auferstehung gefeiert. Im Jahre 1883 hat nämlich Paul Lindau in der Cottaschen Bibliothek der Welt- literatur eine Auswahl dieser Ubersetzung(14 Stücke) neu herausgegeben unter dem Titel: „Molières ausgeuwählte Werke in drei Bänden. Ubersetzt von F. S. Bierling.“
In einer längeren Begründung sucht Lindau es zu rechtfertigen, warum er trotz des Vorhandenseins modernerer Ubersetzungen sich zur Wiedergabe dieser altertümlichen Übertragung entschlossen habe. So sagt er unter anderem, daß von allen Molière-Über- setzungen die Bierlingsche ihm als die beste erscheine, weil der Geist der ursprünglichen Dichtung sich in ihr am getreuesten wiederspiegele. Baudissin z. B., von dessen Ubersetzung wir noch später reden werden, ist ihm zu glatt und modern. Seine Sprache mache den Eindruck des Anachronistischen, den man nicht leicht unterdrücken könne. Dem alten
Ubersetzer dagegen seien die sprachlichen Verhältnisse seiner Zeit zu statten gekommen.
„Die Sprache des 18. Jahrhunderts in Deutschland— heißt es dann wörtlich weiter— hat eine große geistige Verwandtschaft mit der des 17. Jahrhunderts in Frankreich. Beide haben sich aus dem Rohen und Ungefügen, dem Schwerfälligen und Plumpen eben heraus- gearbeitet und sind so fest gegliedert und gefügt, besitzen eine solche Anmut in der Kraft, daß sie uns im großen und ganzen heute als unerreichbare Muster vor Augen stehen. Sie sind naturwüchsiger, reiner und voller, frei von den Neubildungen der Bequemlichkeit und Faulheit. Und wenn wir diese Sprachen einerseits für etwas erkennen, was schon hinter uns liegt, so reicht das Verständnis unserer Tage doch noch zu ihnen. Da, wo wir ein gewisses Gefühl des Befremdens haben, wo sie nach unsern heutigen Auffassungen veraltet sind, gewähren sie uns immer noch Wohlgefallen und behagliche Freude. Sie


