Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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Der Hamburger UÜbersetzung scheint die im Jahre 1749 für dieCompagnie des libraires zu Paris gedruckte Ausgabe zu Grunde zu liegen, die ihrerseits wieder ein Ab- druck der Ausgaben von 1734 und 1739 ist. Wie bei diesen Ausgaben gehen auch in der Übersetzung den einzelnen Stücken Titelkupfer voran; es sind aber nur verkleinerte Re- produktionen der Kupferstiche, die der berühmte Maler Boucher für die große französische Textausgabe von 1734 gezeichnet hatte. Ihre Wiedergabe ist nicht gerade besonders treu ausgefallen. Der Künstler, der bei den einzelnen Titelkupfern sich nur durch Initialen kenn- zeichnet, hat unter den ersten Stich, der ein Porträt Molières darstellt, auch seinen Namen gesetzt: D. Martini a Drazowa Batavus Deliniavit et Sculpsit. Hamb 1751.

Die Übersetzung enthält, wie es im Vorbericht heißt,nicht des Herrn Molière sdmmtliche Schriften, sondern nur dessen Lustspiele. Es sind infolgedessen auchdie Vorspiele hinweg gelassen, welche bey etlichen Lustspielen vorkommen, und dieses um so viel mehr, weil selbige großtentheils nur schmeichelnde Lobreden auf König Ludewig den vierzehnten sind. Ferner fehlenL'Impromptu de Versailles undMélicerte,denn jenes ist nur ein Impromptu, oder ein unausgearbeitetes Stück, dieses aber nur der Anfang eines Lustspiels. Dagegen bringt der Übersetzer wie seine Nürnberger Vorgänger zum Schluß auch Brécourts KomõdieL'Ombre de Molidère.

Die Titel der einzelnen Stücke lauten folgendermaßen:

Bd. I: Der Unbesonnene; oder, die verderbten Anschläge. Der verliebte Verdruß. Die lächer- lichen Preciösen; oder, die romanmäßig witzigen Frauenzimmer. Skanarell; oder, der Hahnrey in der Ein- bildung. Dom Garcia von Navarra; oder, der eifersüchtige Prinz. Die Männer-Schule. Die Beschwerlichen.

Bd. II: Die Frauen-Schule. Critik der Frauen-Schule. Die Prinzeſsinn von Elide. Die er- zwungene Heirath. Dom Juan; oder, der steinerne Gast. Die Liebe ein Arzt. Der Menschenfeind. Der Arzt wider seinen Willen.

Bd. III: Der Sicilier; oder, die Liebe ein Maler. Tartüffe; oder, der scheinheilige Betrüger.

Amphitryo. Der Geitzige. George Dandin; oder, der beschämte Ehemann. Der Herr von Pourceaugnac; in Deutschland: von Schweinhof. Die prächtigen Liebhaber.

Bd. IV: Der adeliche Bürger. Skapins Schelmereyen. Psyche. Die gelehrten Frauen. Die Gräfinn von Escarbagnas; in Deutschland: von Karfunkelstein. Der Kranke in der Einbildung. Molierens Geist.

Wir sehen, daß hier zum erstenmal eine chronologische Reihenfolge der Molièrischen Werke eingehalten ist. Bei der Wiedergabe ihrer Titel erlaubt sich der UÜbersetzer noch ähnliche Freiheiten wie seine Vorgänger. Sehr sonderbar mutet der Untertitel derprécieuses ridicules an:Die romanmäßig witzigen Frauenzimmer. In einer Anmerkung der Be- sprechung dieses Stückes sagt Bierling sogar, daß er diesen Nebentitel noch kürzer durch das Wortdie Roman-Schwestern hätte fassen können, und fügt hinzu, daßunter diesem Titel die schönemannische Schaubühne dieß übersetzte Stück... an dem hochfürstlichen Hofe zu Schwerin bereits aufgeführet hat.

Die Nürnberger Übersetzungen hat Bierling bei seiner Ubertragung nicht benutzt, wohl aber hat er vier Stücke, die wenige Jahre vor der Veröffentlichung seiner Uber- setzung erschienen waren, zu Rate gezogen. Es sind das, wie er in dem Vorbericht S. 11 sagt:die erzwungene Heirath, der Geitzige, der Menschenfeind und Tartüffe.(Von ihnen wird später bei den Übersetzungen einzelner Stücke die Rede sein.) Aus einer Anmerkung auf S. 8 desVorberichts erfahren wir ferner, daß der UÜbersetzer bei der Jägerscene der Facheux(II, 7) sich voneinem durch seine französischen Poesien berühmten deutschen