Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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Harpagon.

Das ist sehr übel gethan. Wann du glücklich im Spielen bist, soltestu das Geld sparen und auff ehrliche Renten außlegen damit du es ein- mahl wieder haben könnest. Ich möchte gern wissen, wozu dieser Überfluß an Banden, womit du vom Kopff an biß auff die Füß behenckt bist, diene, unnd ob ein halb dutzend Stecknadlen nicht genug wären die Strümpffe aufzuhefften? Es ist ge- wiß eine große Nothwendigkeit, Geld vor die Perruquen außzugeben, da man seyn eygen Haar tragen kan welches nichts kostet. Ich will wetten daß du mehr als vor 30 Ducaten an Band und Perruquen an dir hast. Und solche machen des Jahrs 18 Pſund 6 Alb. 6 Heller.

Cleante.

Ihr habt recht.

Harpagon.

Genug hiervon gered, last uns von andern Sachen reden.

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V Harpagon.

Das ist sehr übel gethan. Wann V ihr glücklich im Spiel seyd, so soltet ihr damit Nutzen schaffen V und das Geld so ihr gewinnet, auf billiche Zinße legen, damit ihrs V einmahl lch

möchte gerne wissen, ohne deß

wieder bekommt. übrigen zugedencken, worzu alle diese Bänder dienen, mit welchen ihr von den Füssen biß zum Kopff gespickt seyd; und ob ein halb dutzet Nesteln nicht genug sind, ein baar Hosen anzubinden? Es ist an die

wohl nöthig das Geld

Periquen zuwenden, wann man seine natürliche Haar, die nichts kosten, tragen kan! ich will wetten, daß in der Periquen und Bändern zum wenigsten zwantzig Duplonen stecken, und zwantzig Duplonen tragen des Jahrs achtzehen Pfund sechs Schilling und acht Pfenning, zwölfften

wann mans nur zum

Pfenning anschlägt.

Cleantes.

Ihr habt recht.

Harpagon.

Wir wollen das fahren lassen, und von anderen Angelegenheiten reden.

3. Die Hamburger Übersetzung.

Harpagon.

Das ist sehr übel von dir gethan. Wann du glücklich im spielen bist. so soltest du damit Nutzen schaffen und das Geld so du gewinnest, auf billiche Zinße legen, damit du es einmal wieder bekommst. Ich möchte ohne deß übrigen diese

gerne wissen, zu gedencken, wozu alle

Bänder dienen, mit welchen du, von den Füssen biß zum Kopff, gespickt bist; und ob halb

Dutzet Nesteln nicht genug sind,

ein

ein baar Hosen anzuhängen? Es ist trefflich nöthig das Geld in die Peruquen zu hengen, wann man seine natürliche Haar, die nichts kosten, tragen kan! ich will wetten, daß in der Peruque und Bändern zum wenigsten zwantzig Duplonen stecken, und zwantzig Duplonen, tragen des Jahrs achtzehen Pfund sechs Schilling und acht Pfenning, wann man sie nur auf den zwölfften

Pfenning anleget.

Cleante.

Ihr habt recht.

Harpagon.

Wir wollen das fahren lassen, und von andern Angelegenheiten reden.

Mehr als ein halbes Jahrhundert haben die Nürnberger Ubersetzungen sich in Deutschland behauptet und vielleicht auch den damaligen Ansprüchen genügt. Es konnte aber nicht ausbleiben, daß ihre Schwerfälligkeit und Ungenauigkeit im Laufe der Zeit immer deutlicher empfunden wurde, umsomehr als die deutsche Sprache um die Mitte des 18. Jahrhunderts dank der so viel angefeindeten Wirksamkeit Gottscheds gan⸗ bedeutende Fortschritte gemacht hatte. Um diesen Unterschied so recht gewahr zu werden, vergleiche man ihre Sprache nur mit der in Lessings Jugenddramen. Unsere Sprache hatte zu dieser Zeit schon eine ganz andere Stufe erklommen und ein ganz anderes Gesicht angenommen. Dieser vorklassischen Periode unserer Literatur konnten die Nürnberger Ubersetzungen mit ihrer holprigen und ungeschickten Ausdrucksweise

keineswegs mehr genügen.