Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

84

19

Versprechen niemals erfüllt worden. Vielmehr haben die Nürnberger Molière-Übersetzungen mit dieser Ausgabe von 1721 ihren endgültigen Abschluß erreicht.

Wir geben nun zum Schluß dieses Abschnittes eine Probe der drei ältesten UÜber- setzungen, und zwar wählen wir dazu den Anfang der vierten Scene des ersten Aktes aus

L Avare:

1670.

Der vierdte Aufftritt.

Elise. Cleante. Harpagon.

Harpagon.

Es ist gewißlich keine geringe Straff wann man eine grosse Summa Gelds bey sich hat. Glückseelig ist der jenige der niemahls mehr hat, als was er zur täglichen Nothdurfft braucht. Man bekümmert sich nicht wenig wo man in dem Hauß einen sicheren Ort finden möge; dann, was mich anlangt, sind mir die starcke Küsten verdächtig und ich will mich niemahlen darauff ver- lassen. Ich halte sie vor einen Zunder der Dieb, dann dieselbe greifft man allezeit am ersten an, unterdessen aber weiß ich nicht ob ich wohl daran gethan hab, daß ich 10000 Cronen, welche ich gestern empfangen in meinen Garten vergraben habe. Zehen tausend Cronen an Gold bey sich zu haben ist eine... kier lassen sich der Bruder und die Schwester sehen und reden heimblich miteinander. Ach Himmel! Ich werde mich selbst verraten. Die Hitze hat mich zu weit getrieben und mich dünckt ich hab allzu laut gered. Was ists?

Cleante. Nichts mein Vatter.

Harpagon.

Bistu schon lang da gewesen?

1694.

Vierdter Auftritt.

Elise, Cleantes, Harpagon.

Harpagon.

Gewißlich; Es ist keine geringe Angst, eine grosse Summa Gelds Und der ist recht glückselig, welcher sein

bey sich zuverwahren. gantzes Vermögen in der Enge hat, und verwahrt nur bloß, was er zu seiner Ausgabe brauchet. Man ist nicht wenig bemühet, biß man in einem gantzen Haus einen ver- trauten Winckel erfinde, mich sind die Kästen verdächtig, und ich will

dann für wohlverwahrten

mich mein Tage nicht drauf ver- lassen. Ich halte sie für eine recht freye Anlockung der Diebe, und man greifft sie allzeit vor allen Dingen an. Unterdessen weiß ich nicht, ob ich werde wohl gethan haben, daß ich in meinen Garten zehen tausend Thaler, so man mir gestern wiedergegeben, vergraben

habe. Zehen tausend Thaler in Gold bey mir, ist eine Summa genug...

Hier erscheinen der Bruder und die Schwester und reden leiſs mit einander. O Himmel! Ich werde mich selbst verrathen haben, der Eyfer hatte mich überwältiget, und ich meyne, daß ich in meinen, mit mir allein gemachten Schluß, laut geredet habe. Was ist das?

Cleantes. Nichts mein Vatter.

Harpagon. Seyd ihr schon lang da?

1695.

Vierdter Auftritt. Elise, Cleantes, Harpagon.

Harpagon. Gewißlich; es ist keine geringe Angst, eine grosse Summa Gelds in Und derjenige ist recht glückseelig, wel-

seinem Hause zu verwahren.

cher sein gantzes Vermögen wohl angeleget hat, und nur bloß so viel verwahret, als er zu seiner Ausgabe

brauchet. Man hat nicht wenig Mühe, in einen gantzen Haus einen vertrauten Winckel auszufinden, dann für mich sind die wohlver-

wahrten Kästen verdächtig, und ich will mich mein Tage nicht drauf verlassen. Ich halte sie nur für eine recht freye Anlockung der Diebe, dann man greifft sie allzeit von allen Dingen an. Unterdessen weiß ich nicht, ob ich werde wohl gethan haben, daß zehen tausend Thaler, so man mir

ich in meinen Garten gestern wieder gegeben, vergraben habe. Zehen tausend Thaler in Gold, in seinem Hause, ist eine zimmliche Summa.

Iier erscheinen der Bruder und die Schwester und reden leifs mit- einander. O Himmel! Ich werde mich selbst verrathen haben. Der Eyffer wird mich eingenommen haben; und ich glaube, daß ich in meinen, mit mir allein geführten Reden, laut geredet habe. Was schadts?

Cleantes.

Nichts, Vatter.

Harpagon. Seyd ihr schon lang da?