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sehen von der mangelhaften Wiedergabe der Verse, wird auch z. B. der Inhalt der„Lust- barkeiten der bezauberten Insul“ mit seinen zahlreichen Allegorien und Anspielungen auf den Hof Ludwigs XIV. für jene Zeit schwer verständlich gewesen sein. Das allein dürfte es schon erklären, warum der Verleger sein in der Vorrede gegebenes Versprechen, die noch fehlenden elf Stücke ebenfalls herauszugeben, nicht erfüllt hat.
Dagegen hat er im Jahre 1700 abermals eine„neue“ Auflage der drei ersten Teile veranstaltet. ¹) Der Titel dieser Ausgabe lautet mit kleinen Abänderungen ebenso- wie der von 1695:„Histrio Callicus/ Comico-Satyricus/ Sine Erxemplo./ Oder/ Die Weltberühmten’ Lust-Comödien/ Des’/ Unvergleichlichen Königlich-Frantzösischen Comö- diantens, Herrn’/ Von Molièere/ Wieder aufs Neue, und nach den Molièrischen Genio, gantz accurat in das/ Teutsche übersetzt./ Mit Kupffern gezieret, und also gedruckt, Daß sie.... etc.
Mit dieser„neuen“ Auflage hat der Verleger das Publikum in unverantwortlicher Weise geprellt. Denn obwohl darin die Vorrede der 95er Ausgabe abgedruckt ist und in der bekannten Weise über die fehlerhafte und schlechte Übersetzung von 94 hergezogen wird, finden wir in den drei ersten Teilen doch nicht, wie wir erwarten sollten, die ver- besserte Ubersetzung von 95, sondern die schlechte von 94. Nicht einmal ein neuer Druck hat stattgefunden, sondern der Verleger hat einfach, wie Spirgatis a. a. O. offen ausspricht, die bei der Einziehung der ersten Ausgabe liegen gebliebenen Druckbogen mit einem neuen Titelblatt und der Vorrede von 95 versehen und so eine„neue und gant⸗z accurate“ Ubersetzung hergestellt. Das beweist schon ein einziger Blick auf das am Ende der einzelnen Teile befindliche Druckfehlerverzeichnis, das mit dem von 94 buch- stäblich übereinstimmt. Man wird sich wundern, daß ein Verleger der damialigen Zeit es wagte, das Publikum so hinter das Licht zu führen.
Im Jahre 1721 erschien dann in demselben Verlage nochmals eine Molièreüber- setzung in 4 Teilen unter dem Titel:„Des/ Herrn’/ von Molière/ Schertz- und Ernst- haffte/ Comödien,/ Auf vieler Verlangen, Wieder aufs neue zum drittenmal ins Teutsche/ übersetzt/ Vnd mit saubern Kupffern gezierel./ Närnberg und Altdorff/ Bey ſoh. Daniel Taubers sel. Erben./ An. 1721.4 ²)
In der Vorrede wird über alle bisherigen Ubersetzungen ebenso verächtlich ge- sprochen, wie sich der Übersetzer von 1695 über seinen Vorgänger geäußert hatte, und dabei versichert, daß in dieser Ausgabe die Stücke„abermahl aufs neue mehrenteils übersetzt worden.“ Hier haben wir es nun zwar wirklich mit einem neuen Druck zu tun, aber in der ÜUbersetzung selbst sind nur kleine Anderungen vorgenommen, die sich größtenteils nur auf die Beseitigung altertümlicher Ausdrücke und Redensarten erstrecken; sonst liegt die Ubersetzung von 1700 zu Grunde, mithin also die schlechte und mangel- hafte von 1694. An Stelle der kurzen Lebensbeschreibung Molières von La Grange ist jetzt die umfangreichere Biographie von Grimarest getreten. Obwohl die Verleger, J. D. Taubers Erben, auch diesmal von neuem in Aussicht stellen, wenigstens eine Prosa- Ubersetzung der noch rückständigen 15 Verskomõdien folgen zu lassen, so ist doch dieses
¹) Ein Exemplar davon befindet sich in der Stadtbibliothek zu Mainz. ²) Die beiden ersten Teile dieser Übersetzung befinden sich auf der Kgl. Bibliothek zu Berlin.


