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In der Vorrede, die diesmal wieder von dem Verleger verfaßt ist, erhalten wir Aus- kunft darüber, warum auch die in diesem Teile enthaltenen Stücke wieder in Prosa übersetzt sind, statt in Versen, wie es der UÜbersetzer der Ausgabe von 1695 in Aussicht gestellt hatte:„Es ist in der Vorrede derer drey vorhergehenden Theile des neuen Drucks ſvon neuer und guter Ubersetzung) versprochen worden, daß ich die noch rückständigen vierzehen Comödien-Stücke, welche Herr von Molière Fers-weise herausgegeben, durch den Druck auch an das Licht bringen wolle: Solchen Versprechen nun in etuwas nach- zukommen, und die begierigen Liebhabere nicht allzu lang aufzuhalten, lieffere ich hiermit den Vierdten Theil, in dreyen fürtrefflichen Comödien-Stücken bestehende. Und dienet zur Nachricht, daß, weiln das erste Stück hiervon, in seiner Original-Sprach, in Prosa oder ungebundenen Reden ist, der Herr Übersetzer, das andere und dritte, ob schon dieses gantz, fenes aber nur bis auf die Helffte, in Frantzösischen Versen verfasset, auch in un- gebundenen Reden, ausgenommen die darinnen befindlichen Arien, durchgehends über- setzen wollen, dieweiln er deroselben Materien in solcher Red-Arth zu lesen, für an- nehmlicher erachtete.“
Wer war nun der Übersetzer dieses vierten Teiles? Offenbar ist er identisch mit dem der im Jahre vorher erschienenen drei ersten Teile. Wir dürfen das aus zwei Bemerkungen des Verlegers schließen, und zwar erstens aus einem am Ende des vierten Teiles befindlichen„ZLettre du Libraire, qui a fait imprimer les Comedies de Mr. de MOILIERE Avec une Traduction Allemande, Aux Allemands,& principalement aux Frangois qui se trouvent en Allemagne,& qui desiren? d'entendre la Langue Allemande.“ Darin wird nämlich den französisch lernenden Deutschen und den deutsch lernenden Franzosen versichert„que le Stile Allemand ne Vous contentera pas moins que le Stile Frangois, parce que cette Traduction a ete faite par une Personne de grande Capacite& de grande Consideration, qui entend parfaitement le Genie de la Langue Frangoise.“ In dieser ge- schäftsmäßigen Reklame ist offenbar die Gesamtübersetzung gemeint, aber es ist dabei nur von einem Übersetzer die Rede. Noch deutlicher geht unsere Behauptung aus einer Stelle in der Vorrede zum vierten Teile hervor, worin es heißt:„HDie noch rückständigen eilff Stücke werden in noch zweyen Theilen, ohnfehlbar Vers-weise, oder in Teutsch- gebundenen Reden, aber wegen weit größerer Mühe, und anderen vieler Geschäffte des Herrn Ubersetzers etwas langsamer folgen.“ Dieser Hinweis dürfte uns ebenfalls in der Vermutung bestärken, daß wir es in allen vier Teilen mit einem und demselben Ubersetzer zu tun haben. Aber auch ohne diese Argumente könnten wir unsere Behauptung aus der UÜbersetzung dieses vierten Teiles selbst nachweisen, denn sie unterscheidet sich weder in stilistischer noch in formaler Hinsicht irgendwie von der 95er Ubertragung. Die drei Stücke, die hier zum erstenmal in deutscher Übersetzung erscheinen, schließen sich dem französischen Texte ebenso wörtlich an, wie das in den früheren Stücken der Fall ist. Von einer Gewandtheit im Ausdruck kann hier so wenig wie dort die Rede sein. Die eingestreuten Verse in den„Durchleuchtigen Verliebten“ und„Lustbarkeiten der be- zauberten Insul“ ermangeln jeglichen poetischen Talentes, sie sind ohne den französischen Text oft gradezu unverständlich und beweisen in der Tat, daß der Übersetzer„auf den Parnasso Poëtico nicht studirt hat.“
Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser vierte Teil der Übersetzung auf die da- maligen Leser weniger Eindruck gemacht hat als die vorhergehenden Teile; denn, abge-
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