Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
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und freie Ausdrucksweise, die wir bei dieser ältesten UÜbersetzung anerkennen mußten. Wenn man auch in Betracht zieht, daß sie hauptsächlich zur Erlernung der französischen Sprache verfaßt war, so wird man doch nicht zu einem andern Urteil kommen, als daß sie überaus hölzern und unbeholfen klingt.

Diese und ähnliche Vorwürfe mögen der Übersetzung gleich bei ihrem Erscheinen gemacht worden sein; denn schon im Herbst des folgenden Jahres 1695 gab derselbe Verleger eine verbesserte Ubersetzung heraus unter dem Titel:

HISTRIO GAL. LICUS, cCo Mlco SATvRICOUS,

SINE EXEMPLQO: Oder, Die überaus anmuthigen und luſtigen

Eomödien/

Des Fürtrefflichen und unvergleichlichen Königlich⸗Frantzöſiſchen Comödiantens/Herrn Von

Moliere,

Wieder aufs Neue/ und mit groſſer Mühe und ſonderbarem Fleiß/ auch dem Molieriſchen Genio gemäß/ in das reine Teutſche überſetzt: In drey Theile abgetheilt/ Mit poſſierlichen Kupffern gezieret/ und zum andernmahl gedruckt: Alſo/ daß ſie in Frantzöſiſcher und Teutſcher Sprach nebeneinander/ oder

in einer jeden beſonder/ können eingebunden werden.

So Hohen als Niedern Standes⸗Perſonen zu anmuthiger Ge⸗ müths⸗Beluſtigung, Und dann der zur Frantzöſiſchen Sprach begierigen Teutſchen Nation,

auch der zur Teutſchen Sprach begierigen Frantzöſiſchen Nation/ zu deſto geſchwinder/ leichter und gleichſam lachender Erlernung derſelben/ ſehr dienlich.

Nuͤrnberg/ Bey Johann Daniel Taubern/ Buchhändlern, dehen der Schuſter⸗Gaß/ zu finden. 1 6 9 5.

¹) Ein vollständiges Exemplar dieser Ubersetzung mit ineinandergebundenem französischem Text be- findet sich auf der Kgl. Bibliothek zu Stuttgart. Ebendort ist auch der 1696 erschienene 4. Teil dieser Über- setzung vorhanden.