Aufsatz 
Die deutschen Molière-Übersetzungen. Eine bibliographisch-literarische Studie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

zwar Johanna Eleonore Petersen, eine geborene Von Merlau aus Frankfurt a. M., die lange Zeit in sächsischen Hofdiensten gewesen wWar und nach ihrem Pbertritt zum Pietismus den Pfarrer Petersen in Lüneburg geheiratet hat. Die Gründe, die Spirgatis anführt, lassen zwar eine solche Vermutung zu, doch stehen ihnen auch mancherlei Bedenken entgegen, s0 daß man diese Frage besser in der Schwebe läßt.

Die Ubersetzung enthält 13 Stücke von Molière, und zwar stehen in Band I: Das Steinerne Gastmahl(12110). Der widerwillige Artzt(111 183). Der

Sicilianer oder die mahlende Liebe(184 221). Die Gräffin von Carfunckelstein (La Comtesse'-Escarbagnas)(222 259). Der Herr von Birckenau oder Juncker von Schweinickel(Monsieur de Pourceaugnac)(260 351). Die lächerlichen Kost-

baren oder die lächerliche Beredsamkeit(352 396).

Band II: Der Burgerliche Edelmann(1 136). Der Krancke in der Einbildung(137 272). Amor der Artzt(273 316). Die Gezwungene Ehe(317 360).

Band III: George Dandein oder der verwirrte Ehmann(179). Der Geitzige(S0 220). Deß Scapins Betrügereyen(221 324).

Außerdem enthält der erste Band(S. 1 11) unter dem TitelKurtzer Entwurff von dem Leben des Herrn Johann Baptista Pockelin von Molière eine Ubersetzung der ersten Biographie Molières, die La Grange, der verdienstvolle Schauspieler und Freund des Dichters, im Jahre 1682 als Vorwort zu seiner Ausgabe der Werke Molières ver- öffentlicht hat; und der dritte Band bringt zum Schluß(S. 325 370) unter dem Titel Die Seele des Molière eine Verdeutschung von Brécourts KomõödieL'ombre de Molière, die auch den ersten französischen Gesamtausgaben des Dichters angehängt war.

Ein in Kupfer gestochenes Titelblatt mit der doppelten Unterschrift:Les 0C0MEDIES De MOLIERE.- Die Komedien von NMolière zeigt uns das Innere eines Theaters mit offener Bühne und Zuschauerraum. Gleich dem Gesamtwerk hat auch jedes einzelne Stück ein Titelblatt in Kupferstich, das auf irgend einen Vorgang in der Komödie Bezug hat.

Wie das oben aufgeführte Verzeichnis zeigt, hat der Gbersetzer nur die in Prosa geschriebenen Stücke verdeutscht. Die Gpersetzung von 1670 hat er ohne Zweifel gekannt und benutzt. Dafür zeugt schon die bloße Tatsache, qaß er die beiden einzigen Reimereien dieser Ubersetzung(das Impromptu des Mascarille und den Chor der drei Künste) wörtlich übernommen hat. Aber auch sonst geht die Benutzung ziemlich weit, denn wir finden die meisten fehlerhaften und falschen Ubersetzungen derSchaubühne auch hier wieder vor. Nur zwei der auffälligsten Verkehrtheiten, in denen beide UÜbersetzungen übereinstimmen, seien hier erwähnt. In Scene X derPrécieuses Ridicules sagt Madelon:C'est savoir le fin des choses, le grand fin, le fin du fin. Beide Gbersetzer verdeutschen diese Stelle mit den Worten:Das heist das Ende aller Sachen, das große End, das Ende aller Ende wissen, als wenn alsola fin des fins dastände. Einige Zeilen weiter heißt es dann in derselben Scene:Nous avons é6té jusqu'ici dans un jeüne effroyable de divertissements. Das übersetzt dieSchaubühne mit:Wir haben sint der Fastenzeit allerhand Kurtzweil getrieben, und die Ubersetzung von 1694 hat diese Stelle ebenso falsch verstanden, denn sie sagt:Wir haben seyd der harten Fastenzeit allerley Ergötzungen gehabt. UÜberhaupt hat diese Nürnberger Gpersetzung keinen der durch falschenWortverstand entstandenen Fehler der Schaubühne irgendwie zu verbessern oder zu vermeiden gewußt. Sie ist auch in anderer Hinsicht minderwertiger als die von 1670. Es fehlt ihr vor allem die frische