Aufsatz 
General Custine in Nassau-Weilburg / Friedrich Woell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

44 1

12

einem Jacob Wilz von Eisenberg, zu Göllheim der Peter Rörig und zu Kerzenheim der Jacob Rittersbacher gewählt, wobei jedoch nicht das Wohlgefallen der Gemeinde, sondern blos der Gedanke zu Grunde lag, dass an diesen bekannten und unruhigen Subjecten doch nichts gelegen, und deren Schicksal, für den Fall einer schon damals vermutheten baldigen Aenderung der Dinge, dem bei weitem grössten Theil der Gemeinden gleichgültig war. Diese Deputirten wagten, als der 28. März auch hier die Dinge wieder in's alte Geleise gebracht hatte, lange Zeit nicht wieder in ihre Heimat zurückzukehren, obwohl sie durch die in Weilburg gestellten Geiseln geschützt waren. Denn auch zu dem Zwecke, dass die guten Patrioten und eifrigen Anhänger und Vertheidiger der Grundsätze der Freiheit und Gleichheit nach dem Abzuge der Franzosen nicht beleidigt würden, hielt man die Geiseln zurück. So wurden, wie eine Proclamation d. d. Grünstadt den 27. Februar 1793 unterzeichnetMerlin, de Thionville. A. D. Hofmann, besagt, die vormaligen Grafen von Leiningen-Westerburg, Carl Woldemar, Friedrich und Carl Leopold, welche sich in französischer Gefangenschaft befanden, nur desshalb in derselben zurückgehalten, damit sie etwaige Beleidigungen derguten Patrioten in ihren Landen mit dem Leben büssen sollten.

Die Besatzung des Schlosses zu Kirchheim war bereits mit den Commissarien in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar abgezogen. Sie nahm bei ihrem Weggange nicht nur alles mit, was sie im Gebrauch gehabt hatte, sondern was sich nur aufpacken liess, als wollene Decken, Bettzeug, Tischzeug, sonstiges Weisszeug, Fenstervorhbänge u. dergl., aus der Sattelkammer Sättel, Züume, Stangen, Pferdedecken, Gurten, Mückengarne, Pistolen, Sei- tengewehrkuppeln, Futterwannen. Maulsäcke, sogar die Fackeln, Posthornschnüren, über- haupt alles, was ihnen gefiel. Aus dem Zimmer des Fürsten wurde ein Kistchen, das Ge- schenk eines anderen Fürsten, ein Gemälde von der Fürstlich Nassau-Oranischen Familie, eine Sammlung von Kupferstichen, Bücher, Fernrohre, aus der Bibliothek die Atlanten, Landkarten und eine beträchtliche Anzahl Bücher mitgenommen.

* Das Amt Saarwerden, welches schon seiner Lage wegen von vorn herein mehr von den französischen Freiheitsideen angesteckt sein musste, scheint sich ausserdem auch keines- wegs einer so günstigen Verwaltung wie etwa Alsenz erfreut zu haben. Bereits am Tage der Uebergabe von Mainz, also am 21. October 1792 hatten junge Männer zu Kees- kastel einen Freiheitsbaum gesetzt. Tags darauf begaben sie sich nach Schopperten und thaten daselbst in Verbindung mit dasigen jungen Leuten dasselbe. Der vorher jedenfalls schon missliebige Amtmann Ebel zu Neusaarwerden scheint hier seine Situation schlecht begriffen zu haben. Er liess nämlich den 23. dem Meier(maire) Reeb zu Schopperten die strengsten Befehle zur gewaltsamen Dämpfung des Aufstandes zugehen und bezeichnete zugleich die Rädelsführer, welche in Haft zu nehmen seien. Die Folge davon war, dass am 24. auf der Amtsstube zu Neusaarwerden der Amtmann Ebel von einem chemaligen Kreisgrenadier, welcher desertirt war und nunmehr in einem französischen Jägerregi- mente diente, Namens Nickel Feuerstoss, sodann von Heinrich Buchert, Hans Adam Huwer und Peter Reeb, insgesammt von Keeskastel und des Wasenmeisters Peter Her- mann von Schopperten Sohn Ludwig mit gezogenem Seitengewehre angegriffen, die Treppe hinunter und auf die Strasse geschleift wurde. Hier ward er zur Erde geworfen und mit Hieben und Stichen auf den Tod verwundet. Sodann wurde er unter beständiger Fortsetzung der abscheulichsten Misshandlungen nach Bockenheim geschleppt und daselbst so lange im Kothe herumgeschleift, bis ihn einige herzhafte Mäünner den Klauen dieser