Aufsatz 
General Custine in Nassau-Weilburg / Friedrich Woell
Entstehung
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3 Leuchter, Ihro Durchlaucht der Fürstin von Kirchberg gehörig, kosten 112 Gulden 30 kr., ferner ein Besteck an Mademoiselle Wirtz, kostet ohngefähr 20 Gulden, wurden mit eingepackt.

Uebrigens hatte Custine vor seinem Weggange, mochte ihn nun einmal eine edlere Regung überkommen oder das sonst so günstige Resultat der Expedition milder gestimmt haben, Befehl gegeben, von der Person des Fürsten als Geisel abzuschen. Ob der Fürst, falls auf seiner Wegführung bestanden worden wäre, abgesehen von den voraussichtlichen Beschwerlichkeiten und Unbilden der Gefangenschaft, mit dem Leben davon gekommen wäre, ist nach der nunmehrigen Entwicklung der Dinge in Frankreich mehr als zweifel- haft. Als Geiseln wurden mitgenommen der Stallmeister Schuster und der Mundschenk Weinkauf, welchen es in ihrer Gefangenschaft gar schlimm erging. Sie wurden zuerst nach Mainz, dann nach Landau und zuletzt nach Strassburg gebracht. Zur Erleichterung ihres Looses hatte ihnen der Fürst im April 1793 bereits 2117 Gulden 15 kr. nachge- schickt.

Beim Abzuge der Corps wurden noch in Patentform gedruckte Aufforderungen, welche für die östreichischen und preussischen Soldaten in deutscher, für die ungarischen in lateinischer Sprache abgefasst waren und zur Verlassung der Fahnen, Abschaffung der bisherigen Verfassungen und zur Annahme der neuen französischen aufforderten, angeheftet und ver- theilt. Die ganze Expedition schloss mit der Errichtung eines Freiheitsbaumes eine kleine Stunde von der Stadt an der nach Wetzlar führenden Chaussée.

Den Custine'schen Character kennzeichnet noch besonders die Art und Weise, wie er seiner Anwesenheit im Weilburger Schlosse ein äusserliches Denkmal setzte. Er schnitt nämlich im Thronsaale aus dem dunkelrothen Sammet, welcher die dortige Tapete bildet, ein grosses rechtwinkliges Stück heraus, um dasselbe, wie die dort aufgehängte Gedenktafel vermuthet, zu Uniformsaufschlägen zu verwenden. Einen so bübischen Fre- vel verübte ein Mann, welcher bereits im ziebenjährigen Kriege als Offizier gedient, den amerikanischen Freiheitskrieg mitgemacht und eine Zeit lang eine angesehené Stellung am französischen Hofe eingenommen hatte.

Mit dem Abzuge der Franzosen von Weilburg am 12. November 1792 waren jedoch die von Custine dem Fürsten von Nassau-Weilburg zugefügten Leiden noch keineswegs zu Ende. Der Fürst hatte jenseits des Rheines noch drei zu seiner Herrschaft gehörige Gebiete, die Aemter Alsenz, Kirchheim und Saarwerden, welche zusammen 11466 Seelen zühlten. Wenn auch schon ein Blick auf die Karte*) hinlänglich die Armseligkeit des allzusehr zerrissenen Deutschlands am Rhein erkennen lüsst, möge den- noch zur besseren Kennzeichnung dieser territorialen Zustände die amtliche geographi- sche Beschreibung jener drei Gebietstheile aus dem Jahre 1793 hier folgen:

Das Amt Alsenz bestehet aus dem Flecken Alsenz, welcher von Kreutznach und Mei- senheim drei, von Kirchheim vier und von Alzei fünf Stunden entfernt ist, und den beiden Dörfern Winterborn und Niederhausen, grenzet gegen Morgen, in Ansehung des Fleckens Alsenz, an die Grafschaft Falkenstein und die Rheingrafschaft, in Ansehung Win- terborn und Niederhausen, an das Churpfälzische Oberamt Alzei, gegen Mittag an das Plalz-Zweybrücken und Falkenstein gemeinschaftliche Stolzenberger Thal und die Chur- pfülzischen Oberämter Alzei und Lautern, gegen Abend an das Pfalz-Zweysbrückische

*) Die sonst so vortreffliche Karte Nr. 47 des v. Spruner-Menke'schen historischen Handatlas scheint nicht zu wissen, zu welchem Nassau die Gebiete Kirchheim und Alsenz gehörten.