Aufsatz 
Wie ist Homer in der Schule zu lesen? : 2. Teil
Entstehung
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wie ein Falke, der ſchnellſte unter den Vögeln,¹) und von hinten ſtürmte gewaltig die purpurne Woge des lautrauſchenden Meeres.2) Wie iſt ö6m ey zu verſtehen? Ameis meint, es bezeichne, daß der Wind günſtig für die Fahrt ſei. Von Wind iſt aber durchaus keine Rede, wie auch keine Segel aufgezogen ſind, und das Schiff nur durch Ruder vorwärts bewegt wird. Das Rauſchen wird vielmehr dadurch verurſacht, daß bei der ſchnellen Vorwärtsbewegung des Schiffes hinter ihm ein leerer Raum entſteht, in den natürlich ſofort das vorher ſeitwärts oder rückwärts gedrängte Waſſer einfließt, und je ſchneller die Fahrt iſt, deſto kräftiger und heftiger wird auch das Einſtürmen und das hierdurch veranlaßte Geräuſch ſein.

Daß Homer nicht blos Epiker, ſondern zugleich auch Dramatiker iſt, zeigt ſich nicht nur in dem dramatiſchen Aufbau und der belebten Handlung, wie beſonders in dem erſten Buch des Ilias, ſondern zugleich auch in der Charakteriſtik der einzelnen Perſonen, wie ſie im Dialog hervortritt, der uns manchmal gleichſam Scenen eines Luſtſpiels vorführt. So z. B. A. 551 ff. Zeus hat der Thetis verſprochen, den Troern ſolange Sieg zu verleihen, bis die Achaier das dem Achilleus zugefügte Unrecht wieder gut gemacht haben. Er ſieht dabei voraus, daß es eine ſchlimme Geſchichte mit Hera geben wird,(C d Lolrh ra) und in dieſer Erwartung täuſcht er ſich nicht; denn alsbald nach ſeiner Ankunft in der Verſammlung der Götter fragt ſeine Gemahlin ihn höhniſch, mit wem er denn ſich im Geheimen beraten habe, während ſie von ihm nie einer Mitteilung oder eines freundlichen Wortes gewürdigt werde. Zeus entgegnet ihr mit Ruhe und Würdo, ſie ſolle nicht verſuchen, ſeine Ratſchlüſſe zu erfahren; was er ihr mitteilen wolle, werde ſie Alles bei Zeiten hören; nach anderm aber ſolle ſie weder fragen noch forſchen. Darauf ſagt Hera, ſie wolle ja gar nichts von ihm erfahren, da er ſich doch nicht um ſie kümmere; ſie vermute aber jetzt, daß Thetis ihn durch Bitten zu dem Verſprechen beſtimmt habe, das dem Achilleus zugefügte Unrecht durch den Tod vieler Achaier zu rächen. Jetzt aber brauſt Zeus, der vorher eine majeſtätiſche Ruhe behauptet hatte, in wildem Zorn auf und fährt mit heftigen Drohungen gegen ſie los, er werde ſich thätlich an ihr vergreifen. Aus welchem Grund gerät Zeus, der vorher ſolche Ueberlegenheit und Sicherheit zur Schau trug, in dieſe Wut? Er gibt es ſelbſt an in den Worten: alet péy ofeat 0505 ¹s hd. Es iſt der Ausbruch des Aergers darüber, daß Hera, die ihn beſtändig beobachtet und kontroliert, hinter dieſes Geheimnis gekommen iſt; wäre ihre Vermutung falſch, dann würde er ſie auslachen; ſo aber hat ſie das Richtige getroffen hinc illae lacrimae!

Eine dieſer ähnliche Scene, in der der Dichter ſich als genauer Beobachter des Familienlebens zeigt, ſpielt ſich L 193 ff. zwiſchen Priamus und Hekabe ab. Iris hat dem König den Befehl des Zeus überbracht zu Achilleus zu gehen und ihm Löſegeld für ſeinen Sohn zu bringen. Priamus iſt dazu bereit, aber er will doch als ordentlicher Ehemann vorher die Meinung ſeiner Frau hören.³) Dieſe aber bricht in laute Klagen aus und fährt ihn an, ob er denn verrückt geworden ſei,¹) daß er auf den Gedanken komme, zu dem Manne zu gehen, der ihm ſo viele Söhne gemordet; ganz gewiß werde dieſer auch ihn nicht verſchonen. Durch den heftigen Widerſpruch der Hekabe wird Priamus, der doch vorher ganz beſcheidentlich gefragt hatte, was ſie von ſeinem Plane halte, erſt recht in ſeiner Abſicht beſtärkt und erklärt ihr nun ganz beſtimmt, er werde doch gehen, ſie ſolle ihm nicht zum Unglücksraben werden. Kann ein Luſtſpieldichter dieſe beiden häuslichen Scenen mit mehr Naturwahrheit und Humor darſtellen, als es dem Epiker gelungen iſt?

Bei der Schilderung der Charaktere zeigt ſich, wie mir ſcheint, die Naturwahrheit Homer's beſonders darin, daß die von ihm vorgeführten Perſönlichkeiten wirkliche Menſchen ſind, ausgerüſtet mit gewiſſen

1) Man merkt es den Verſen ordentlich an, wie begeiſtert der Dichter für das Seelenleben iſ, ſo daß auch von ihm ſelbſt das Wort gilt, das er 5 224 ſeinen Helden in den Mund legt: a/Ad HOt ale!»ps« rs o: ia: Joay.

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3) X ärs uotl τοοε sint, xl o, s" eldsrat styat.

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