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Sehr ſchön iſt geſchildert, wie bei Penelope das Intereſſe und die Teilnahme für den Bettler immer mehr zunimmt. Dieſer iſt doch ſeit ſeiner Verwandlung durch Athene(v 398 ff. und 430 ff.) höchſt elend anzuſchauen, zerlumpt, ſchmutzig, für jeden ein Gegenſtand des Abſcheus und Ekels; trotdem faßt jene, die ihn anfänglich nur aus Neugierde hat kommen laſſen, als ſie ſeinen Bericht über Odyſſeus als wahr erkannt hat, ſofort Zutrauen, ſo daß der Fremdling ihr nicht mehr blos bemitleidenswert, ſondern lieb und verehrungswürdig iſt;( 254) ja, ſie nennt ihn, wie mit plötzlich und unwillkürlich hervorbrechender Zuneigung„lieber Gaſt“, ein Ausdruck, den ſie gleichſam entſchuldigend dadurch begründet, daß ſie ſag gt, noch kein Fremdling ſei in ihr Haus gekommen, der ihr lieber geweſen wäre als er, der ſo⸗ verſtändig und wohlüberlegend rede.¹) Iſt dieſer Erfolg nur bewirkt durch die Worte und macht ſich nicht vielleicht unbewußt ein geheimer Zug des Herzens geltend? Penelope iſt ſo für den Fremdling eingenommen und ſchenkt ihm in dem Maße ihr Vertrauen, daß ſie alsbald ihre Geheimniſſe und alles, was ihr Herz bewegt, ihm wie einem erprobten Freunde mitteilt, ihren Traum eizähl t und ſchließlich meint, wenn ſie ihn immerfort hören könne, würde ſie nie der Schlaf überkommen. Alles dieſes hat der Bettler durch ſeine verſtändige, gewinnende und Vertrauen einflößende Rede bewirkt, ganz ähnlich wie er 135 ff. nackt und hülflos und zugleich ſchrecklich und furchtbar anzuſchauen doch durch den Zauber ſeiner Worte Nauſikaa für ſich einnimmt, die ſofort aus dem, was er ſagt, erkennt, daß ſie einen edlen und gebildeten Mann vor ſich hat. ²)
In den Bericht über die Unterhaltung der Penelope und des Bettlers iſt die Epiſode von der Wiedererkennung des Odyſſeus durch Eurykleia eingeſchoben, die, obgleich von namhaften Kritikern verworfen, doch zu den ſchönſten Teilen des Epos gehört, ſo daß ich ſie bei der Schullectüre nicht übergehen möchte. Eurytleia, die wie Penelope ſagt, ihren unglücklichen Herrn von ſeiner Geburt an ernährt und gepflegt hat, iſt, als ſie den Befehl erhält dem Bettler die Füße zu waſchen, trotz ihres Alters gern dazu bereit, weil ſie daran denken muß, daß auch Odyſſeus vielleicht in ähnlicher Weiſe wie dieſer elend umherirrt. Der Fremdling iſt ihr übrigens ſchon durch ſeine Aehnlichkeit mit Odyſſeus aufgefallen; ſie ſagt, ſie habe noch Niemanden geſehen, der ſo, wie er, an Wuchs, Stimme und Gang jenem gleiche.¹) Der Bettler gibt ſogleich zu, daß ſchon viele dieſelbe Beobachtung gemacht und ausgeſprochen hätten. Warum ſtellt er die Aehnlichkeit nicht in Abrede? Durch Leugnen würde er die Eurykleia nur noch mehr zu genauer Betrachtung und Beobachtung veranlaßt und ſo ſeine Erkennung beſchleunigt haben. Natürlich zugleich und rührend iſt es, daß der im erbärmlichen Zuſtand Heimgekehrte von Derjenigen zuerſt erkannt wird, die ihn an ihrer Bruſt ernährt und gewiſſermaßen Mutterſtelle an ihm vertreten hat; ſie ſieht ihn mit den Augen der Liebe, die auch unter der Hülle des Elends den geliebten Sohn(xν réıνoοꝓς v. 474) und Tsxvoy Sudy v. 492) zu entdecken vermögen, ebenſo wie auch in dem zum Volksliede gewordenen Gedichte Nepomuk Vogl'’s der heimkehrende Wanderburſch allen unerkannt bleibt, aber„wie ſehr auch die Sonne ſein Antlitz verbrannt,
das Mutteraug' hat ihn doch gleich erkannt.“ Aehnlich wie das eben Beſprochene muß man auch die Zuſammenkunft des Priamos und Achilleus den Schülern möglichſt deutl lich zu vergegenwärtigen ſuchen, ſo daß ſie dem Vorgang gleichſam im Bilde vor ſich ſe hen und ſich vorſtellen können, was denn die beiden(nach Q 629 ff.) gegenſeitig an einander zu bewundern
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3)* 381: Gs 05 eua« GwT Ts 60⸗*' 0Q olzas. Es iſt zu beachten, daß Eurykleia neben dem Wuchs auch die Stimme und den Gang, d. h. die hierdurch beſtimmte Haltung als beſondere Merkmale aufzählt. Denn gerade die Stimme behält man ſehr gut im Gedächtnis und am Gang kann man eine Perſ on ſchon vom Weitem erkennen. Bei.
Odyſſeus mag die Haltung beſonders characteriſtiſch geweſen ſein, da er nach P 211 einen kürzeren Unterkörper hatte und deshalb beim Sitzen ſtattlicher erſchien.


